Deutsche Bank warnt BGH vor „zweiter Finanzkrise“

Auf die Deutsche Bank könnten wegen riskanter Zinswetten Schadenersatzzahlungen in Millionenhöhe zukommen. In einem beim BGH anhängigen Verfahren um den Verkauf der riskanten Zinswetten droht dem Kreditinstitut eine Niederlage. Der Bundesgerichtshof ließen am Dienstag durchblicken, dass das Frankfurter Kreditinstitut im Falle der Ille Papier Service GmbH seine Beratungspflichten verletzt habe. In der Verhandlung vor dem BGH hatte Richter Ulrich Wiechers gesagt, nach der vorläufigen Einschätzung des Senats habe die Bank wohl zweifach gegen ihre Beratungspflicht verstoßen, und der Geschäftsführer des Unternehmens und seine Tochter hätten die „spekulative Wette“ auf die künftige Zinsentwicklung wohl nicht verstanden, sagte Wiechers. Der Hinweis des Beraters auf einen theoretisch unbegrenzten Verlust habe dabei nicht ausgereicht. “ Die Deutsche Bank habe zudem versäumt, über die für das Unternehmen ungünstige Struktur aufzuklären. Ille musste erst einen „negativen Marktwert“ des Produkts von 80.000 Euro aufholen, mit dem die Bank ihr Risiko, ihre Kosten und ihren Gewinn abschöpfte. Wiechers sagte, das Institut habe nicht genug getan, diesen Interessengegensatz mit dem Kunden aufzulösen. Der Mittelständler hatte im Jahr 2005 ein Swap-Geschäft abgeschlossen und dabei hohe Verluste einstecken müssen, weil sich die Zinsen anders entwickelten als erhofft. Nun verlangt das Unternehmen von der Deutschen Bank rund 540.000 Euro Schadenersatz. Die Deutsche Bank hatte die komplizierten Finanzprodukte insgesamt an 500 Firmen und 200 Kommunen verkauft. Der konkrete Fall ist nur einer von etwa zwei Dutzend in dem Streit um Zinswetten, mit denen sich Deutschlands Gerichte seit Jahren herumschlagen. Der Rechtsvertreter der Deutschen Bank, Reiner Hall, warnte vor der Tragweite eines negativen Urteils. „Dann lösen sie eine zweite Finanzkrise aus“, sagte er an das Gericht gewandt. Der BGH schüfe da…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Bgh , Zinsen , Deutsche Bank , Corporate Compliance , Risikomanagement , Finanzkrise , Managerhaftung , Anlegerschutz , Zinswetten

Erschienen 8. Februar 2011 auf http://compliancemanagerhaftung.wordpress.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Deutsche Bank muss Stadt Hagen Schadenersatz zahlen

Reuters | 16. Juli 2008 — Wuppertal (Reuters) - Die Deutsche Bank muss nach einem Gerichtsurteil der Stadt Hagen im Rechtstreit um Millionenverluste aus …

Deutsche Bank erringt Sieg im Streit mit Stadt Hagen

Reuters | 16. Juli 2008Wuppertal (Reuters) - Die Deutsche Bank hat im Streit mit Kommunen und lokalen Unternehmen um riskante Zinsgeschäfte einen weit…

WVV fordert 2,6 Millionen Euro von der Deutschen Bank

schreibmaschine | 12. Februar 2008 — Der Schadensersatzprozess der Würzburger Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (WVV) gegen die Deutsche Bank geht am heutigen Dienst…

Deutsche Bank wegen Vermögensverbratung verknackt

Handelsvertreter Blog | 1. Oktober 2010 — Nun hat es die Deutsche Bank erwischt ! Sie wurde wegen schlechter Beratung verurteilt. Zu riskanten Zinswetten hatte man ger…

Deutsche Bank unterliegt vor BGH gegen Schutzgemeinschaft für Bankkunden

Kanzlei Heidrun Jakobs | 4. April 2011 — Spalt, 4.4.2011. Die Deutsche Bank musste vor dem Bundesgerichtshof (BGH) erneut eine Schlappe einstecken. Der BGH untersagte d…

Urteil des Bundesgerichtshofs zum Schadensersatz der Bank bei Zinssatz-Swap-Verträgen

Dr. Graf | 22. März 2011 — Mit Urteil vom heutigen Tage hat der BGH die Deutsche Bank zu Schadensersatz i. H. v. 541.074 EUR nebst Zinsen verurteilt (XI Z…

WVV gegen Deutsche Bank: Verkündungstermin am 31. März

schreibmaschine | 28. Februar 2008 — Ohne entscheidend neue Erkenntnisse blieb der zweite Tag der Beweisaufnahme im Schadensersatz-Prozess der Würzburger Versorgungs- …

WVV kannte das "theoretisch unbegrenzte Risiko"

schreibmaschine | 13. Februar 2008 — Im Schadensersatzprozess der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) gegen die Deutsche Bank hat ein maßgeblicher WVV-M…

Deutscher Bank droht Klage

Handakte WebLAWg | 22. November 2006 — Eine Reihe ehemaliger hochrangiger Mitarbeiter in Großbritannien und den USA hat die Deutsche Bank wegen angeblich zu geringe…

Swap-Prozess: Erfolg auf ganzer Linie für die Deutsche Bank

schreibmaschine | 12. Mai 2009 — Nichts zu holen gab es für die Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) beim Oberlandesgericht (OLG) Bamberg: Im Berufun…