Der treue Sermet

Wie schon angedeutet, meldete sich gestern auch Sermet I. zu Wort. Nach drei Tagen Teileinlassung von Ömer Ö. wollte auch er einige Angaben machen. Er habe die Entscheidung dazu getroffen, weil Ömer etwas gesagt habe, sagte Sermet zum Auftakt: „Ich bin darüber sehr froh, weil es mir möglich macht, selbst etwas zu sagen“. So habe er „definitiv“ von der Malaria-Erkrankung Ömers gewusst (während die Ärzte noch rätselten und um die Gesundheit des Patienten kämpften) und daraufhin „nachgestochert“, warum er denn Malaria habe. So habe er noch im Krankenhaus vom Aufenthalt im Terrorlager erfahren.

„Erschüttert“ sei er darüber gewesen. „Weil Ömer ja fast an der Malaria gestorben wäre“. Aber auch, weil er dem Freund den Aufenthalt im Terrorlager nicht zugetraut hätte. Außerdem, so räumte Sermet ein, habe er Ömer vor seiner Abreise zum Flughafen Stuttgart gefahren. Dort habe der ihm einige Geräte übergeben, verbunden mit der Bitte, diese bei Aleem N. in Germersheim abzugeben. „Technische Geräte“ seien das gewesen, sagte Sermet. Und er habe gedacht, sie seien dazu bestimmt, in Pakistan verkauft zu werden. Er wisse nicht, was für Geräte es gewesen seien. Aber „bestimmt“ keine Rangefinder (Entfernungsmesser) und auch keine Nachtsichtgeräte sagte Sermet, dem im bisherigen Prozessverlauf von Zeugen aus seinem Berufsleben mehrfach bescheinigt worden war, kaum jemand sei in seinem Job als Lacktechniker technisch so versiert und wissbegierig gewesen, wie er.

Ein oder zwei Wochen später habe er die Geräte bei seinem Freund Aleem in Germersheim abgegeben, erklärte Sermet etwas später auf Nachfrage des Gerichts. Dabei habe Aleem die Geräte auch ausgepackt. Er selbst sei dabei aber nicht im Raum, sondern gerade auf der Toilette gewesen, beteuerte Sermet. Wenig glaubhaft, fand das Gericht.

Mit Geschichten über Toilettengänge in entscheidenden Momenten im Leben von Angeklagten im Strafverfahren, Politikern oder Aufsichtsratsmitgliedern würden sich vermutlich problemlos Bücher füllen lassen. Dass dennoch kein Buch zum Thema im Handel erhältlich ist, dürfte am geringen Interesse der Leser an solchen Geschichten liegen. Ähnlich ging es Sermet gestern am OLG: Die Richter zweifelten erheblich, ob das wirklich alles war, was er berichten konnte – und fragten ihn nachdrücklich, warum er für dieses Mini-Geständnis 48 Verhandlungstage gebraucht habe – und es erst hätte ablegen können, nachdem Ömer in ganz anderem Umfang gestanden habe.

Sermet reagierte beleidigt: Es sei so, wie er es gesagt habe. Niemals habe er selbst Geräte besorgt, noch habe er „irgendeinen Militärbezug“. Aleem N. sei ein Freund gewesen, mehr nicht. Tatsächlich habe er ihm einmal arabische Kinderbücher gebracht. Aber nicht zum Transport in Jihad-Gebiete, sondern für Aleems Kinder. Die genauen Inhalte der Bücher kenne er leider nicht – da sie ja arabisch gewesen seien. Aber er sei sicher, die Bücher seien noch heut…

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Themen: Koblenz , Aufenthalt , Job , AL Qaida , Pakistan , Olg Koblenz , Malaria , Aleem N.

Erschienen 21. April 2010 auf http://www.swr.de/blog/terrorismus.

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