Der Täter trat als Retter auf

Wegen Freiheitsberaubung, sexueller Nötigung, schweren Raubes und Hausfriedensbruch hat das Würzburger Amtsgericht am Mittwoch einen 48-jährigen Mann aus dem Main-Tauber-Kreis zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Der Witwer hat gestanden, eine 30-jährige Arbeitskollegin in ihrer Wohnung im Kreis Würzburg mitten in der Nacht überfallen, gefesselt und vier Stunden festgehalten zu haben. Anschließend tauchte der Angeklagte als vermeintlicher Retter auf. Auf diese Weise hoffte er, die Frau für sich zu gewinnen: „Ich bin dort eingebrochen, um ihr anschließend meine Hilfe anzubieten“, sagte er vor Gericht.

Sechs Jahre lang arbeiteten Täter und Opfer in einem Betrieb, er fand sie „interessant“. Annäherungsversuche des Angeklagten hatte die Frau aber immer zurückgewiesen. Jedes Jahr schenkte er ihr zum Geburtstag einen Blumenstrauß. Auch an ihrem Geburtstag Mitte September 2008 wollte der Verkäufer der 30-Jährigen Blumen am Morgen vorbeibringen. Am Abend zuvor kam er auf die Idee, die ihn jetzt wegen schwerer Verbrechen auf die Anklagebank brachte: „Ich hatte im Fernsehen gesehen, wie jemand eingebrochen ist, um den Opfern hinterher Alarmanlagen zu verkaufen.“

Mit einer Plastikkarte öffnete er gegen 2 Uhr nachts die Haustür seiner Angebeteten und drang in die Wohnung ein. Für die Frau der Beginn einer vierstündigen Leidenszeit: Der mit Rollkragen und Kapuze maskierte 48-Jährige überfiel die Schlafende, hielt ihr den Mund zu und fesselte ihre Hände mit Kabelbinder. Er sprach englisch mit ihr, erwähnte den Elektroschocker in seiner Tasche und tat so, als sei noch ein zweiter Mann auf der Suche nach Lebensmitteln und Geld im Haus.

Wenn die Frau auf die Toilette musste, bekam sie eine Stofftasche über den Kopf. Der Angeklagte tat so, als durchsuchten er und sein vermeintlicher Komplize die Wohnung und steckte 30 Euro ein. Angeblich um den Überfall noch realistischer erscheinen zu lassen, betatschte er sein eingeschüchtertes Opfer längere Zeit an den Brüsten. Gegen 6 Uhr verließ er die Wohnung, kehrte kurze Zeit später wieder zurück und gab vor, durch sein Erscheinen die Einbrecher vertrieben zu haben. Sein Pech: Er wurde beim Kleiderwechsel an seinem Auto von einem Zeugen beobachtet, der der Polizei den entsche…

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Themen: Amtsgericht , Englisch , Opfer , Vermeintlicher Retter

Erschienen 30. Oktober 2009 auf http://www.woetzel-online.info/.

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