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Der Staatsanwalt und die kleinen Abweichungen

am 12.08.2006 von Vier Strafverteidiger

Auch hier wieder ein “schöner” Fall von überzogener Zielstrebigkeit eines Mitarbeiters der angeblich “objektivsten Behörde der Welt”. So lobt sich die Staatsanwaltschaft selbst gern über den grünen Klee.

Nach dem Sachverhalt in der Strafanzeige soll mein Mandant mit einem Kleintransporter nach einer ausgedehnten Zecherei zum Bahnhof gefahren sein. Dort seien zwei Frauen und ein Mann ausgestiegen, er als Fahrer soll über dem Lenkrad bei laufendem Motor eingeschlafen sein. Der Zeuge gibt noch an, daß der Fahrer blond gewesen sei.
Ein dies beobachtender Zeuge hat die Polizei verständigt. Die wecken meinen Mandanten unsanft, schleifen ihn mit auf die Wache, Blutprobe. Das Ergebnis reicht für zwei zur Fahruntüchtigkeit.

Führerschein ist also vorläufig weg, es kommt die Anklage. Vielleicht auch deshalb, weil die Polizei am Vorfallstag einen Entlastungszeugen rüde weggeschickt und dessen Angaben nicht zur Kenntnis nehmen wollten.

In der Hauptverhandlung erzählte der Belastungszeuge dann seine Geschichte: Er hätte den Wagen 2x gesehen. Beim ersten Mal seien drei Frauen ausgestiegen und zum Bahnsteig gegangen. Dann sei der Transporter schnell und etwas schlingernd weggefahren. Kurz darauf sei er wiedergekommen und ein Mann wäre ausgestiegen. Dann sei der schwarzhaarige Fahrer eingeschlafen. Er habe die Polizei gerufen, die sei nach gut 15 Minuten gekommen. Er selbst habe den Abend und die ganze Nacht ordentlich getrunken und würde seinen Pegel auf zwei Promille schätzen.

Die Vorsitzende kaum Fragen, die Widersprüche waren ihr wohl gar nicht so aufgefallen. Der Sitzungsvertreter stellte nur Fragen, die schon beantwortet waren. Dann versuchte ich dem Zeugen klarzumachen, daß diese Geschichte nun so überhaupt nicht zu dem paßt, …

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