Der Staatsanwalt und die Presse

Ein Oberstaatsanwalt steckt der BILD-Zeitung, dass er gegen den Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss Anklage erheben wird. Die Empörung hierüber ist groß, denn dem Beschuldigten, der Kinderpornos besessen haben soll, ist noch keine abschließende Stellungnahme im Ermittlungsverfahren ermöglicht worden. Sein Anwalt spricht von “sozialer Exekution”, berichtet Spiegel online.

Die Zusammenarbeit des Staatsanwalts mit Presse und Rundfunk ist kein rechtsfreier Raum. Die Richtlinien für das Straf- und Bußgeldverfahren regeln sie in Ziffer 23 detailliert. Die Unterrichtung der Presse setzt stets eine Einzelfallprüfung voraus, ob Persönlichkeitsrechte des Betroffenen das Interesse der Öffentlichkeit überwiegen:

“Eine unnötige Bloßstellung der Person ist zu vermeiden. … Der Anspruch des Beschuldigten auf ein faires Verfahren darf nicht beeinträchtigt werden.”

Schon hier hätte der Herr Staatsanwalt wohl eine andere Entscheidung treffen müssen. Es hätte ihm nämlich klar sein können, welchen Wirbel seine Ankündigung verursachen wird, auch, mit welchem Zungenschlag. Dies gilt umso mehr, als ja schon die Durchsuchungen bei Tauss von zahlreichen PR-Stunts der Staatsanwaltschaft begleitet waren.

Aber mit der Einzelfallprüfung ist es nicht getan. Für die Sache mit der Anklage findet sich sogar eine explizite Vorschrift:

Über die Ank…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Schmerzensgeld , Rundfunk , Bild Zeitung , Die Presse , Lte , Mannesmann , RG

Erschienen 21. Juli 2009 auf http://www.lawblog.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Jörg Tauss, Unschuldsvermutung und öffentliche “Hinrichtung”

Rechtsanwalt Achim Flauaus | 10. März 2009 — In Bund und Ländern bestehen einheitlich die Richtlinien für das Straf- und Bußgeldverfahren (RiStBV), die “vornehmlich für den…

Staatsanwaltliche PR im Fall Tauss - "soziale Exekution"?

beck-blog | 21. Juli 2009 — Wie heute berichtet wird, hat die Karlsruher Staatsanwaltschaft ihre Anklageerhebung im Fall des Bundestagsabgeordneten Tauss…

Beieindruckende Löchrigkeit des Systems

Strafprozesse und andere Ungereimtheiten | 8. September 2007 — Ich bin immer wieder beeindruckt, was die Presse zum Beispiel über Anklage sowohl vom Umfang als auch vom Inhalt her zu berichten …

Der Staatsanwalt und die Bildzeitung

kanzlei-hoenig.de | 21. Juli 2009 — Oberstaatsanwalt Rüdiger Rehring zu BILD.de: „Wir beabsichtigen, eine Anklage zu erheben. Es ist schon spannend, welche Umg…

AMTSPFLICHTWIDRIG

Streitsache / Blog | 28. Januar 2005 — Im Strafverfahren wegen der Millionenabfindungen nach der Fusion von Mannesmann und Vodafone hat Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser ei…

Der Staatsanwalt vermeidet jede Bloßstellung!

Rechtsanwalt Achim Flauaus | 20. April 2009 — Die FAZ schreibt heute über den Fall der Musikerin, die auf Antrag der Staatsanwaltschaft Darmstadt wegen gefährlicher Körperve…

Ermittlung Tauss: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Jörg Tauss wegen Kinderporno

Internet-Law | 5. März 2009 — Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft Karlsruhe gegen den Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss wege…

Bewährung für Staatsanwalt

LawBlog | 7. November 2007 — Wegen Rechtsbeugung und Strafvereitelung ist ein Mannheimer Staatsanwalt zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährun…

Tauss-Anwalt: Vorverurteilung meines Mandanten kommt sozialer Exekution nahe

Handakte WebLAWg | 7. März 2009 — Der Rechtsanwalt des SPD-Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss hat schwere Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft Karlsruhe erhobe…

Der zweite Pranger

LawBlog | 18. Januar 2007 — Die Süddeutsche Zeitung fasst die neueste Öffentlichkeitsfahndung des Bundeskriminalamts zusammen: Die Aktion war erfolgr…

Pädophilie-Verdacht: Tauss-Anwalt wirft Ermittlern"soziale Exekution" vor

"Unerträglich", "soziale Exekution": Der Anwalt des unter Pädophilie-Verdachts stehenden Politikers Jörg Tauss hat schwere Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft erhoben. Die Behörde hatte über eine Zeitung angekündigt, dass sie den ehemaligen SPD-Abgeordneten anklagen will.


Klaus Esser: 10.000 Euro Schmerzensgeld

"Ein Sieg für den Rechtsstaat"? Der frühere Mannesmann-Konzernchef verklagte das Land Nordrhein-Westfalen wegen massiver Rufschädigung. Heute gab das Gericht Esser in Teilen Recht.