Der Spam aus Paderborn
am 28.03.2006 von kanzlei-hoenig.info
Rechtsanwalt Detlev Stoffels aus Paderborn wollte ein paar Kollegen zu einer von ihm organisierten Veranstaltung einladen. Dazu besorgte er sich mehrere 100, vielleicht über 1.000 eMail-Adressen, alles Adressen von Strafverteidigern. Statt nun ein professionelles Programm zum Versand von Massen-eMails zu verwenden, greift er auf die Billigvariante von Microsoft zurück. Man spart ja, wo man kann, wenn man die Menschheit mit seinen Ideen beglücken möchte.
Eine Adresse trägt der Spammer in das “TO:”-Feld ein, alle anderen in das “CC:”-Feld. Den Text der eMail formatiert er in HTML, damit die Adressaten auch seinen Briefkopf mit Logo und Bankverbindung kennenlernen. Er drückte auf’s Knöpfchen und dann ging es ab.
Sämtliche Empfänger erhielten neben dem HMTL-Text auch die Liste der eMail-Adressen der anderen Strafverteidiger, an die die Kopien der eMail übermittelt wurden.
Aber nicht nur einmal. Vermutlich zahlreiche Kanzleien – unter anderem meine – dann mehr als 2.500 mal. Alle paar Minuten mehrere eMails mit der Einladung und dem Briefkopf mit Logo. Von Donnerstagnachmittag bis Montagmittag.
Reaktionen der genervten Adressaten per eMail, per Telefon, per Fax oder per Notiz-Zettel führten zu nichts. Der Spammer war ja in Frankfurt zum Strafverteidigertag.
Auch am Montagvormittag war die Kanzlei des Spammers telefonisch nicht zu erreichen. Dann kam dieses Fax um 13:45 Uhr: Ich solle den Header der eMail ausdrucken und faxen. Die massenhaften eMails seien nicht von ihm versandt worden.
Ein zweites Fax um 18:45 Uhr teilte mir mit: Microsoft sei schuld. Es liege an einem Softwarefehler. Ich solle meinen Server reparieren.
Lieber Kollege Stoffels. Es ist mir völlig Brause, wer schuld …
Er kann’s nicht, der Herr Kollege.
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