Der minderwertige Doktortitel

Aus Sicht der breiten Öffentlichkeit trägt niemand seinen Doktortitel so zu Recht wie ein Arzt.

Der Wissenschaftsrat sieht das genau andersherum: Die meisten Mediziner bekommen ihren Doktor verliehen, ohne dafür zu leisten, was in anderen Disziplinen üblich ist. Bei vielen Dissertationen handele es sich um “Türschildforschung”.

Die Arbeiten glichen “in vielen Fällen eher Diplomarbeiten in naturwissenschaftlichen Fächern”, schreibt Ulrike Beisiegel, die Vorsitzende der Wissenschaftlichen Kommission des Gremiums, in einem Beitrag für die Zeitschrift “Forschung & Lehre”. “Der Erkenntnisgewinn dieser wissenschaftlich oft sehr wenig fundierten Arbeiten ist meist gering und wird als ,pro-forma-Forschung’ bezeichnet” , sagt Beisiegel, die am Uniklinikum Hamburg als Biochemikerin forscht.

Damit wiederholt Beisiegel die massive Kritik, die der Wissenschaftsrat bereits 2002 und 2004 geäußert hatte.

Der Anlass: Auch das European Research Council (ERC), die neue Einrichtung zur Forschungsförderung der EU, die Jahr für Jahr hunderte Millionen Euro an Vorhaben exzellenter Wissenschaftler verteilt, hält den deutschen Dr. med. für minderwertig, nicht zu vergleichen mit dem anglo-amerikanischen Philosophiae Doctor (PhD). “Das kommt faktisch einem Ausschluss junger deutscher Mediziner vom Wettstreit um ERC-Fördermittel gleich”, schreibt Beisiegel. Ein…

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Themen: Hamburg , Wiederholt , Dissertation , Tagesspiegel , Wissenschaftler , Approbation , Phd , Promotion , Forschungsförderung , Fördermittel , Wissenschaftsrat

Erschienen 1. Juli 2009 auf http://log.handakte.de/.

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