Bundesbank beantragt Abberufung Sarrazins
Reuters | 2. September 2010 — Frankfurt (Reuters) - Nach mehrtägigem Zögern will sich die Bundesbank nun doch von ihrem umstrittenen Vorstandsmitglied Thilo …
Seit Tagen berichtet die Presse über seine umstritten Äußerungen gegenüber Ausländer, über die Veröffentlichung seines Buches, über den Versuch, ihn seines Amtes zu entmächtigen. Der Fall Sarrazin.
Der Volkswirt Dr. Thilo Sarrazin ist seit dem 1. Mai 2009 Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank. Durch ein im September 2009 im Lettre International abgedruckten Interview (hier ein Auszug des Interviews) löste Sarrazin aufgrund seiner Äußerungen zur Integrationsspolitik teils heftige Kritik aus. Dies wiederum führte dazu, dass die SPD bereits damals seinen Parteiausschluss forderte und ihm vom Bundesbank-Präsidenten der Rücktritt nahe gelegt wurde. Dennoch schien es bereits im Oktober 2009 eine nicht zu verachtende Anzahl von Meinungen zu geben, die Sarrazins Ansichten teilten.
In erneute Kritik geriet Sarrazin nun im Juni 2010, als er im Rahmen eines Vortrags zum Thema “Bildung, Demografie, gesellschaftliche Trends” unter anderem die Zuwanderung bestimmer Bevölkerungsgruppen für die Verdummung Deutschlands verantwortlich machte. Die Luft um Sarrazin wurde langsam immer dünner. Dass quasi fast zeitgleich sein Buch “Deutschland schafft sich ab” mit weiteren “Thesen zur Integrationspolitik” erschien, kam ihm da vermutlich weniger zugute. Doch immer noch finden sich Stimmen, die Sarrazin öffentlich verteidigen und ihm zustimmen. Unter ihnen so zum Beispiel die (türkischstämmige) Sozialwissenschaftlerin Necla Kelek, die aufgrund diverser Veröffentlichungen über die muslimische Gesellschaft bereits ebenfalls Kritik einstecken musste (siehe zB hier, da oder dort).
Nach langem hin und her hat der Bundesbank-Präsident Axel Weber gestern in einer Pressekonferenz bekannt gegeben, dass Sarrazin als Vorstandsmitglied abberufen werden soll. Der entsprechende Antrag soll heute Mittag dem Bundespräsidenten vorgelegt werden.
Was genau hat nun zur Abberufung Sarrazins geführt? Waren es seine umstrittenen Äußerungen zur Integrationspolitik? Wenn ja, warum hat man diesen Schritt dann nicht schon im vergangenen Jahr gewagt? Und wie würde es sich auf die Situatin auswirken, wenn Sarrazins Thesen stimmen? Der ganze Sachverhalt um Sarrazin scheint also auch nach längerer Recherche ziemlich undurchsichtig und kompliziert zu sein.
Fest steht, dass sich dieser Mann kritisch mit den volkswirtschaftlichen Aspekten der deutsche Integrationspolitik auseinander gesetzt und dazu (nicht nur in seinem Buch “Deutschland schafft sich ab”) geäußert hat. Sicherlich hätte Sarrazin versuchen können, professioneller (und vor allem weniger beleidigend) auf die von ihm untersuchten Probleme aufmerksam zu machen. Dass Sarrazins Thesen in Bezug auf die Probleme innerhalb der deutschen Integrations- und Bildungspolitik jedoch nicht völlig aus der Luft gegriffen sind, kann man – auch ohne sein komplettes Buch zu lesen – beispielsweise hier nachlesen:
Was ist dran an Sarrazins Thesen? … » Vollständiger ArtikelErschienen 3. September 2010 auf http://rechtler.com.
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Website der Deutschen Bundesbank
Die Entrüstung über Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin hält auch nach dessen Entschuldigung an. Mehrere SPD-Politiker forderten ein Parteiausschlussverfahren. Der Sozialdemokrat Sarrazin hatte sich abfällig über Ausländer und Arme in Berlin geäußert.
Schon als Berliner Senator hat Sarrazin durch unbedachte Äußerungen häufig für Ärger gesorgt. Bleiben durfte er trotzdem. Sein neuer Arbeitgeber scheint da weniger tolerant.