Der Charme der Piraterie

Der jüngste Beitrag über die Piratenpartei, der gerade bei Spiegel-Online erschien, stimmte mich nachdenklich. Vordergründig setzt er sich mit dem „Versäumnissen“ der Piratenpartei hinsichtlich der jüngsten Enthüllungen um den „Bundestrojaner“ auseinander. Im Wesentlichen kolportierte der Beitrag aber den Verdruss über den fehlenden materiellen Kern, den man sich offenbar (still und heimlich) von den Piraten gewünscht hatte. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich die Piraten wohl nicht wählen würde, ist diese Forderung eher ein Zeugnis kollektiven Wunschdenkens als ein Beleg für politische Verfehlungen. Die romantisierte Vorstellung basisdemokratischer Meinungsbildung findet sich allenfalls als Motiv in unserem Wahlrecht. Die Realität hat damit wenig gemeinsam. Komplexe Themen lassen sich nicht basisdemokratisch regeln. Das bedeutet aber sicher nicht, dass der Wähler möglichst wenig mitbekommen sollte und die Auswahl der Krawatte oder die Gestaltung des Twitter-Accounts ausschlaggebende Faktoren für den Wahlerfolg (sind/sein sollten). Anstelle einer Castingshow würde ich mich über Fakten freuen. Keine der mir bekannten Parteien spricht aus, wofür sie eintreten wird. Sämtliche etablierten Politvertreter formulieren diffuse Zielvorstellungen aus einem (häufig schon zeitlich überholten) historisch-traditionellen Selbstverständnis wurzelbezogenen Wirkens, an deren Erreichung gar niemand mehr glauben kann. Und jetzt verlangen wir von den Piraten en passant einen an den Datenschutzvorschriften orientierten Lösungsvorschlag – eine Woche, nachdem der Bundestrojaner in die Öffentlichkeit trat? Eine Partei, die den Sinn „Geistigen Eigentums“ negiert, vermutlich ohne zu wissen, dass die Etablierung desselbigen Grundlage für die Entstehung vielfältiger W…

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Themen: Lesetipp , Spiegel Online , Politik , Netzgeflyster

Erschienen 15. Oktober 2011 auf http://www.jurabilis.de.

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