Der bayrische Trojaner - Vorbild für das BKA?

Nachdem in Bayern der “Bayerntrojaner” beschlossen wurde, habe ich mir heute in Ruhe den neuen §34d Polizeiaufgabengesetz B angesehen. Aufgrund des Heise-Artikels, der schreibt:

Die bayerische Polizei darf künftig verdeckt auf Informationssysteme von Verdächtigen zugreifen […]

und dem fehlenden öffentlichen Aufschrei gehe ich mal davon aus, dass kaum einer den §34d gelesen hat - oder vestanden hat. Das was Heise.de schreibt ist nämlich nur ein kleiner Teil des Ganzen.

Der Entwurf ist hier zu finden, auf Seite 2 findet man den §34d. An dieser Stelle dank an die Kommentatoren hier im Blog, die den Entwurf überhaupt verlinkt haben.

Ich empfehle, den §34d PolAufG Bay in Ruhe zu lesen. Und ganz besonders mal den Punkt 3: Der sagt nämlich nichts anderes, als dass man nicht nur bei “Verdächtigen” zugreifen kann, sondern auch bei denen, die für Sie “Nachrichten” annehmen. Das sind also auf jeden Fall schonmal sämtliche Provider.

Die Befugnis zum Löschen und Ändern von Daten findet sich im zweiten Satz - und bezieht sich ausdrücklich ebenfalls nicht nur auf die Verdächtigen, sondern auf diejenigen, die “Mitteilungen” für diese annehmen bzw. verwalten. Das “verwalten” findet man zwar nicht im Gesetzestext, da man aber auch Maßnahmen gegen diejenigen ergreifen kann, die “Mitteilung weitergegeben haben” ist dies ein umfassender Zugriffs-Paragraph, unabhängig davon, ob nun Inhalte noch beim Provider liegen oder nicht. Hier entsteht eine faktische Haftung aus der Position des Nachrichten-Übermittlers heraus.

Die scheinbar eingrenzende Klausel im Satz 2 ist für mich keine, da beim Zugriff auf ein solches System ohnehin immer eine Gefahr für ein höheres Rechtsgut vorliegen muss und die Frage, ob eine “Erhebung zur Abwehr noch…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links
Themen: Bka , Kommentar , Trojaner


Erschienen 7. Juli 2008 auf http://www.datenschutzbeauftragter-online.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Kleine Tipps zum Lernen: Baurecht

Jurakopf | 10. März 2008 — Ich gestehe: Während mir sogar das Veraltungsrecht liegt, ist das Baurecht für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Obwohl das nun…

Ein Klick zur Hausdurchsuchung

Datenschutzbeauftragter Online | 18. November 2008 — Dass ein einziger Klick schon zur Hausdurchsuchung führen kann, habe ich hier schon oft ohne Beleg behauptet - dass ich keine…

Mit Word 2007 in Blogs publizieren

Jurakopf | 18. Februar 2009 — Mit Überraschung habe ich festgestellt, dass man mit Word 2007 auch direkt in Blogs publizieren kann. Dabei hat Word das alte P…

LG Köln: Störerhaftung des Access-Providers - Der Access-Provider haftet ab Kenntniserlangung als Störer auf Unterlassung (hier: d…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 24. September 2007 — 1. Der Access-Provider ist gemäß § 8 TMG für fremde Informationen grundsätzlich nicht verantwortlich und nicht verpflichtet, die v…

Negative Rezensionen: Nutzlos?

Jurakopf | 29. Juli 2008 — Nach dem Kommentar mit der Anmerkung dass ich ja nur positiv schreibe (auf den ich dort ja auch geantwortet habe), habe ich n…

Usenet-Provider haften als Cache-Provider

RA Kadelke | 29. Januar 2008 — So entschied das OLG Düsseldorf in einem jetzt bei dem Kollegen Kremer veröffentlichten Urteil. Anlass war das Begehren eines…

Erst sperren, jetzt schnüffeln + speichern

Schnüffelblog | 21. April 2009 — Es kommt wie befürchtet: Laut gulli (vgl. auch heise) geht der von der Leyenhafte Unsinn weiter: In Sachen Internetsperren komme…

Heute erlaube ich mir auch mal ein Schwätzchen …….

LexisNexis® Strafrecht Online Blog | 18. Mai 2010 — denn heute sind wir ein Jahr bei Jurablogs dabei. Heute ist also der Jahrestag unserer Anmeldung zu den Jurablogs. Fazit nach…

Neu bei Beck: Jurakompakt - Der Kurzvortrag

Jurakopf | 16. Juli 2008 — Der C.H.Beck Verlag hat eine neue Reihe im Programm - und mir direkt mal Rezensionsexemplare daraus zugeschickt. Die Reihe laut…

Von den Tücken der eMail-Überwachung

strafprozess | 3. April 2007 — Der Kanton Zürich muss Sunrise für eine eMail-Überwachung mit rund CHF 17,000.00 entschädigen. Dies geht aus einem neuen Urteil de…

Bayerischer Landtag setzt den "Bayerntrojaner" frei - heise online