Demonstranten vor Duisburger Ratshaus fordern OB-Rücktritt
Reuters | 29. Juli 2010 — Duisburg (Reuters) - Mehrere hundert Menschen haben am Donnerstag vor dem Duisburger Rathaus gegen das Verhalten der Stadtverwa…
Duisburg (Reuters) - Nach der tödlichen Massenpanik bei der Love-Parade wächst die öffentliche Wut auf den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland.
Bei einer Demonstration vor dem Rathaus forderten Hunderte Menschen am Donnerstag seinen Rücktritt. Auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Innenminister Ralf Jäger drängten den CDU-Politiker zum Rückzug. Sauerland selbst lehnte dies jedoch weiter strikt ab und wies auch jede persönliche Verantwortung zurück. Der Innenausschuss des Landtags soll sich bei einer Sondersitzung mit dem Unglück befassen. Dort soll nach dem Willen der SPD auch Sauerland Rede und Antwort stehen. Bei der Love-Parade waren am Samstag 21 Menschen erdrückt und mehr als 500 verletzt worden.
"Sie haben alle Warnungen missachtet, keiner hier will Sie noch als Oberbürgermeister haben", sagte der Organisator der Protestkundgebung vor dem Rathaus, der Duisburger Markus Schröder. "Sauerland muss weg", skandierte die Menge. Mehrere Redner forderten die Stadtverwaltung auf, stärker zur Aufklärung der Massenpanik beizutragen. Auf Plakaten warfen die Teilnehmer den Veranstaltern vor, aus Profitgier Sicherheitsbedenken im Vorfeld der Veranstaltung missachtet zu haben. Nach Ende der Kundgebung legten die Demonstranten eine Schweigeminute ein und zogen weiter in die Innenstadt.
Rückendeckung erhielten die Demonstranten von der NRW-Landesregierung. "Der Duisburger Oberbürgermeister und die Verantwortlichen in der Stadtspitze werden sich letztendlich der politischen Verantwortung stellen müssen", sagte Regierungschefin Kraft der "Rheinischen Post". Auch Innenminister Jäger plädierte für einen Rückzug des Bürgermeisters. "Die Frage der moralischen Verantwortung, diese Frage muss Herr Sauerland, glaube ich, jetzt ganz schnell für sich beantworten", sagte er Reuters TV.
SAUERLAND LEHNT RÜCKTRITT WEITER AB
Sauerland blieb jedoch hart. "Persönliche Verantwortung kann es nur geben, wenn es ungerechtfertigte Eingriffe in den Prozess gegeben hätte. Diese gab es aber nicht", sagte er der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Bei den Angehörigen der Toten entschuldigte sich Sauerland für die falsche Aussage, die Opfer seien bei der Flucht zu Tode gestürzt. Er habe nur eine Meldung der Ärzte des Krisenstabs weitergereicht. Tatsächlich waren die 21 Opfer erdrückt worden.
Über persönliche Konsequenzen will Sauerland erst entscheiden, wenn die Ursache des Unglücks geklärt ist. An der Trauerfeier am Samstag, zu der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Christian Wulff erwartet werden, werde er aus "hohem Respekt vor den Angehörigen der Opfer" nicht teilnehmen, sagte er der "Bild"-Zeitung. Die Bundesregierung ordnete für Samstag Trauerbeflaggung an. Die Trauerfeier soll wegen des großen Interesses der Öffentlichkeit auch im Duisburger Fußballstadion und davor auf Videoleinwänden übertragen werden. Erwartet werden bis zu 200.000 Menschen.
Die nordrhein-westfälische SPD vermutet nach einem Bericht der "Rheinischen Post" finanzielle Motive hinter der Weigerung Sauerlands zurückzutreten. Laut Steuerzahlerbund erhalte Sauerland bei einem Rücktritt keine Ruhestandsbezüge und auch kein Übergangsgeld. Sollte ihn der Stadtrat aber abwählen, würde er bis Jahresende sein volles Gehalt und danach ein Ruhestandsgeld bekommen.
Wegen des Unglücks wird der Innenausschuss des Landtags am Mittwoch auf Antrag der CDU-Fraktion zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Dabei sollen Fragen zum Sicherheitskonzept, dem Genehmigungsverfahren und dem Veranstaltungsablauf geklärt werden. Die SPD sprach sich dafür aus, zu der Sitzung neben Vertretern des Innen- und Justizministeriums auch Sauerland als Vertreter der Stadt Duisburg einzuladen. "Er hat erklärt im Amt zu bleiben, um an der Aufklärung mitzuwirken", sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Stotko zu Reuters. Sauerland solle dem Ausschuss Rede und Antwort stehen.
Erschienen 29. Juli 2010 bei http://www.reuters.com.
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