Juan Melendez - 18 Jahre unschulig in der Todeszelle
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In einer bei focus-online veröffentlichten “Playboy-Reportage” wird über den Fall des Juan Roberto Melendez berichtet, der nicht zuletzt aufgrund übler Manipulationen eines karrierebewussten Staatsanwalts wegen eines von ihm nie begangenen Mordes an einem Ort, den er nie betreten hat, zum Tode verurteilt wurde und erst nach 17 Jahren, 8 Monaten und einem Tag aus der Todeszelle entlassen wurde.
Auf beeindruckende Art schildert der fünfseitige Beitrag, wie ein völlig unschuldiger Mann in Florida in die Mühlen einer Justiz gerät, der es nicht immer um die Wahrheitserforschung geht, die aber unbedingt einen Täter präsentieren will. Und wenn´s über Leichen geht. Wider besseres Wissen hält der Staatsanwalt Hardy Pickard auch dann noch an der Anklage fest, als ihm ein Geständnis des wahren Täters vorliegt, er führt dem Gericht zwielichtige Belastungszeugen vor, die gegen Versprechen von Strafmilderung in eigenen Verfahren Dinge bekunden, die so nie stattgefunden haben, er verunglimpft Zeugen der Verteidigung, weil die nicht ins Konzept passen und betrügt das Gericht und die Jury.
In seinem ersten Prozess hatte Melendez einen Pflichtverteidiger, der war ein guter Freund und Angelkumpan des Staatsanwalts und ist heute Richter. Und dem war schon Wochen vor dem Prozess eine Tonbandaufnahme zugespielt worden, die das Geständnis des wahren Täters enthielt. Das Tonband hat der Pflichtverteidger dem Gericht nie vorgelegt und seine Erkenntnisse für sich behalten, es passte wohl nicht ins Verteidigungskonzept. Aber er hat das Band auch nicht vernichtet, sondern in einer Kiste aufbewahrt, und die fiel 15 Jahre nach der Tat einem Team von 3 Anwälten, die sich um eine Wiederaufnahme des Verfahrens bemühten, in die Hände.
Es wurde dann auch bekannt, dass andere Belastungszeugen ihre Aussagen längst widerrufen hatten und schließlich ordnet eine Richterin im Dezember 2001, zu Nikolaus, einen neuen Prozess an. Der Staatsanwalt habe das Gericht getäuscht, schreibt sie in ihren Beschluss hinein.
Melendez ist inzwischen längst freigelassen worden. 100 Dollar Entlassungsgeld hat er bekommen, umgerechnet 1,5 Cent für jeden Tag in der Todeszelle. Eine Entschuldigung hat er bis heute nicht gehört. Der Staatsanwalt Hardy Pickard ist immer noch Staatsanwalt, aber er darf keine Mordsachen mehr bearbeiten. Und der damalige Pflichtverteidiger ist immer noch Richter, aber er trägt einen kleinen Schatten auf seiner Weste.
Es lohnt, den Beitrag, der auch viel Bedrückendes über die Haftbedingungen im Todestrakt und über die psychischen Befindlichkeiten des Häftlings Melendez zur Sprache bringt, im Volltext zu lesen.
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