Datenschutzignoranten, Juristenwitze,Theatervorstellungen und Schaufensterdekorateure
Das Leben ist nicht immer leicht. Kunden machen es manchmal sogar etwas schwerer. Noch schwerer machen es aber manchmal willfährige
Hausjuristen, die sich als reine “Vollstrecker” verstehen, ihren Arbeitgeber als reine JA-sager beraten und sich anschließend um
externen Rat eines Fachmannes bemühen.
Einleitung
Man stelle sich vor, die Rechtsabteilung eines potentiellen Kunden ruft an, bittet um einen Kennenlerntermin und gibt an Probleme mit
der Datenschutzaufsichtsbehörde des Landes zu haben. Allerdings sei man nicht bereit, diese vorab genauer zu schildern. Eine kurze
Internetrecherche ergibt, dass es sich um ein nicht ganz unbedeutendes Konzernunternehmen mit zig Tochterfirmen handelt, wobei die
Rechtsabteilung vor allem mit Abmahnungen von Wettbewerbern beschäftigt zu sein scheint, was bei Erreichen einer gewissen
Regelmäßigkeit manchmal ein Zeichen dafür sein kann, dass irgendetwas doch eher semi-optimal im Unternehmen läuft. Los geht’s:
Die Protagonisten
Ersterer, der Leiter der Rechtsabteilung, schleppt einen etwas abgegriffenen Notizblock einer recht fähigen Großkanzlei mit sich, was
darauf hinzudeuten scheint, dass er entweder vergangenen Zeiten nachtrauert oder Notizblöcke von Großkanzleien sammelt. Man kann sich
einfach nicht entscheiden, welche Alternative man besser finden soll.
Der Zweite aus der Riege schleppt einen Gesetzeskommentar mit sich, welcher kaum bis gar keine Gebrauchsspuren aufweist. Unweigerlich
stellt sich hier die Frage, ob man sich zur Begrüßung jetzt gegenseitig etwas vorlesen wird, man ihn zum Kauf eines Buches
beglückwünschen soll oder ob der Gesetzeskommentar, ähnlich wie der Notizblock, nur zur von (eigentlich wohl eher fremdem) Wissen dient.
Der Dritte aus der Reihe, ebenfalls Hausjurist, erweist sich als erfreulich “normal” und stellt sogar brauchbare Fragen. Geht doch!
Daneben sitzen noch der Geschäftsführer der betroffenen Tochterfirma, der Vorstandsassistent und der IT-Leiter, welche aber auf
Nachfragen ebenso wie die anderen Herren am Tisch zugestehen, dass sie das eigene Firmengeflecht und die dahinterstehenden
Dienstleistungen und Firmenverknüpfungen selbst nicht genau kennen oder darstellen können. Guten Morgen Herr Frühstücksdirektor!
Just in diesem Moment setzt die Erinnerung an die Internetrecherche ein und es stellt sich die Frage, ob hier überhaupt die eine Hand
weiß, was die andere tut und ob auch die Abmahnungen einfach nur das Ergebnis dieser nicht ausgesprochenen Antwort sind.
Angesichts der “Belegschaftsversammlung” fühlt man sich natürlich außerordentlich geschmeichelt, gleichwohl stellt sich irgendwo im
Hinterkopf die weitere Frage, ob man tatsächlich alle hier vetrenen Personen von ihrer sonstigen Arbeit abhalten sollte und ob nicht
2 kompetente Personen für dieses Treffen und zur Schilderung des dem Treffen zugrunde liegenden Sachverhalts ausgereicht hätt…
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