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Das Warten ist des Anwalts Frust

am 28.02.2007 von strafblog

Zweiter Verhandlungstag in einem Berufungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Mönchengladbach. Am ersten Verhandlungstag hatten wir bereits eine kleine Sitzübung absolviert, weil eine Schöffe nicht erschienen war und wir eine knappe Stunde auf den Ersatzschöffen warten mussten. Dann wurde die Verhandlung unterbrochen, weil die Verteidigerin des Mitangeklagten trotz mehrfacher Anforderungen keine Akteneinsicht erhalten hatte. Ich hatte darüber im STRAFBLOG berichtet.

Heute lief es kaum besser. Zwei Zeugen waren nicht erschienen, eine andere Zeugin meinte aber, die seien bestimmt unterwegs, eigentlich seien sie zuverlässig und hätten ihr Erscheinen auch angekündigt. Eine halbe Stunde Warten war angesagt, dann hatte der Richter die Zeugen - ein Ehepaar - an der Strippe. Eine Autopanne habe man gehabt und sei jetzt erstmal wieder zurück nach Rommerskirchen gefahren, um das Auto zu reparieren. Warum sie denn nicht bei Gericht angerufen hätten, hat der Vorsitzende sie gefragt. Haben wir doch, war die Antwort, aber leider war die Geschäftsstelle trotz mehrfacher Versuche nicht besetzt. Das wiederum ist durchaus glaubhaft, weil die Personaldecke am Gericht inzwischen so dünn ist, dass die Geschäftsstellen oft tagelang nicht oder nur nach dem Zufallsprinzip zu erreichen sind. Die Geschäftsstellenmitarbeiterinnen und Mitarbeiter versehen oft Sitzungsdienst und sind dann halt nicht auf ihrem Zimmer erreichbar. Manchmal läuft dann ein Anrufbeantworter, der aber auch erst Stunden später abgehört wird und manchmal lässt man es ohne jede Resonanz minutenlang klingeln. Schlimm ...

Die für 10 Uhr und 10.15 Uhr geladenen Zeugen kamen dann schließlich so gegen 12.20 Uhr. Mehr als zwei Stunden haben wir untätig im Gerichtssaal und in der Kantine herumgesessen. Zwischendurch ins Büro zu gehen, schien sich nicht zu lohnen, weil ja über längere Zeit hinweg minütlich mit dem Eintreffen der Zeugen gereechnet werden konnte. Welch eine Zeitvergeudung: Zwei Berufsrichter, eine Staatsanwältin, eine Protokollführerin, eine Anwältin und ein Anwalt, dazu zwei Schöffen und mehrere Justizwachtmeister haben mal eben fast zweieinhalb Stunden ineffektiv herumgesessen, in Mann-Stunden rechne ich das besser erst gar nicht aus.

Nächste Woche geht´s weiter in dem Verfahren, dann aber hoffentlich einigermaßen zügig. Obwohl, wenn erst mal der Wurm drin steckt ...

Autor: RA Rainer Pohlen

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