Das mitgehörte Telefonat

Zu: Pressemiteilung des BAG Nr. 43/2009 vom 23. April 2009 (Urteil vom 23.04.2009 - 6 AZR 189/08)

Es geht wieder einmal um Grundrechte - und ein beweisrechtliches Dauerthema. Die Situation: In einem Arbeitsgerichtsprozess kommt es darauf an, welche Äußerungen genau in einem Telefonat gefallen seien (hier: ob die Personalreferentin zur kranken Mitarbeiterin wirklich gesagt habe, sie solle trotz Krankheit arbeiten. sonst müsse sie mit einer Kündigung rechnen; die Kündigung gab es, und, die Richtigkeit der Äußerungen unterstellt, wäre sie sittenwidrig). Das Problem: Die Gesprächspartner haben exakt gegenteilige “Erinnerungen” an das Gespräch.

Früher bestand die Lösung darin: Zufällig hatte immer eine Freundin oder ein Freund das Telefonat mitgehört. Das führte schon in den 80ern zu einer wundersamen, nur bei Gerichten vorkommenden Vermehrung von Telefonen mit Freisprecheinrichtungen. Wer in den 80ern schon telefonierte, wird sich hoffentlich mit mir daran erinnern, dass Telefonieren nicht nur teuer war, sondern so etwas wie Anrufbeantworter und Freisprecheinrichtungen nicht durch die Deutsche Bundespost, sondern allenfalls aus Detektiv Rockford - Anruf genügt bekannt waren. Sei’s drum. Man fand schnell heraus, dass das Mithören eigentlich strafrechtlich verboten ist, wenn die Gegenpartei nicht eingewilligt hat. Nach einigem Zögern sind alle Bundesgerichte bis zum BVerfG dem BAG gefolgt, dass dann ein Beweisverwertungsverbot bestehe.

In der Folge wechselten aber nur die Lügen, denn fortan blieb eben auch strittig, ob das Mithören vom Betroffenen gestattet worden war.

Jetzt fügt das BAG eine neue Komponente hinzu und man muss nach der Pressemiteilung annehmen, dass dem Senat die Sache nicht geheuer war. Wer jemandem nicht “zielgerichtet” das Mithören ermögliche, solle nicht unter das Beweisverwertungsverbot fallen. Wie soll das gehen? Vielleicht über technische…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Telefonieren , Beweisverwertungsverbot , Bag 6 Azr 189/08 , Mithören Telefonat

Erschienen 30. April 2009 auf http://www.reuter-arbeitsrecht.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

BAG: Voraussetzungen eines Beweisverwertungsverbots bei heimlichem Mithören

LEGALIT.de | 29. Oktober 2009 — Wer bei einem Telefongespräch zielgerichtet dafür sorgt, dass eine im Raum befindliche dritte Person das Gespräch heimlich mith…

Das Schwätzchen zum Jahrestag :-), oder: Man lernt nie aus

Heymanns Strafrecht Online Blog | 18. Mai 2010 — Ich hatte ja gerade schon gepostet, dass ich mir zur Feier des Tages heute auch mal ein Schwätzchen erlaube. Eingehen will ic…

Heimlich mitgehörtes Telefonat

Kanzlei Finkenzeller & Kollegen | 7. Mai 2009 — Hört eine Zeugin ein zufällig in ihrem Beisein geführtes Telefonat zwischen einer Mitarbeiterin und deren Firma mit, darf ihre …

Vergütung, Vorschuss oder was?

LawBlog | 30. November 2009 — Die Ex-Mandantin klang bestimmt. “Sie haben gesagt, ich kriege meine 50 Euro zurück, wenn es nicht zum Prozess kommt.” Äh, ja. …

Andersrum

LawBlog | 17. Juni 2010 — Normalerweise kenne ich die Situation andersrum. Die Zeugen sagen alle zu Gunsten des Angeklagten aus; die Anklage zerbröselt. …

OLG Schleswig: Beweisverwertungsverbot bei rechtswidriger Blutentnahme

Heymanns Strafrecht Online Blog | 3. November 2009 — Bei der Frage nach einem Beweisverwertungsverbot, wenn eine Blutentnahme unter Verstoß gegen § 81a Abs. 2 StPo erfolgt ist, geh…

Beweisverwertungsverbot bei mitgehörten Telefongesprächen

Rechtslupe | 24. April 2009 — Ermöglicht bei einem Telefongespräch einer der Gesprächspartner einer im Raum befindlichen weiteren Person zielgerichtet, das G…

BAG: Beweisverwertungsverbot beim Mithören von Telefongesprächen

§§ Jur-Blog.de §§ | 27. April 2009 — BAG, Urteil vom 23.04.2009 - 6 AZR 189/08 - Noch glimpflich davongekommen sind bislang Mithörer bzw. ein Kläger, der sein Verfa…

Aus Fehlern kann man lernen, muss man aber nicht

Stuttgart Inkasso | 21. Juli 2011 — Es kommt immer ieder vor, dass man eine Forderungssache übertragen bekommt und man sich fragt, woher man den Namen des Schuldne…

Landgerichte, die den Papierkrieg lieben

Strafprozesse und andere Ungereimtheiten | 26. Januar 2006 — Mal wieder so ein Anruf einer Geschäftsstelle eines Landgerichtes, dass man nun bereits drei Wochen gewartet habe, wann denn nun d…