Seehofer: CSU muss im Wahlkampf mehr Gas geben
Reuters | 3. September 2008 — Berlin (Reuters) - Der stellvertretende CSU-Parteichef Horst Seehofer fordert von seiner Partei verstärkte Anstrengungen im bay…
Berlin (Reuters) - Die CSU will sich mit einer Wahlkampfoffensive gegen den Verlust der absoluten Mehrheit in Bayern stemmen.
Die Situation sei für die CSU deutlich schwieriger als in früheren Wahlkämpfen, sagte Parteivize Horst Seehofer in einem Reuters-Interview. Er forderte von seiner Partei deshalb mehr Schwung in den verbleibenden knapp vier Wochen. "Wir müssen jetzt alle noch mal ans Ruder und ein ganzes Stück mehr Gas geben", sagte der Bundesagrar- und Verbraucherminister.
Wie Parteichef Erwin Huber bekräftigte Seehofer, die CSU habe "nach wie vor gute Chancen", ihre absolute Mehrheit mit "50 Prozent und mehr" der Stimmen zu verteidigen. Dennoch bedürfe es zusätzlicher Anstrengungen. "Wir erfahren jetzt auch in Bayern, dass man hart um das Vertrauen der Bevölkerung kämpfen muss, dass viele Menschen sich bis zuletzt ihre Entscheidung offenhalten", sagte er.
In Umfragen für die Bayern-Wahl am 28. September lag die CSU zuletzt um die 50 Prozent. "Es geht um die Mobilisierung unser Anhängerschaft", sagte Seehofer. "Es gibt keine andere Partei, die so in jedem Winkel Bayerns organisiert ist wie die CSU. Und das müssen wir jetzt zum Tragen bringen."
Huber zeigte sich in Berlin gewohnt zuversichtlich, gestand aber dennoch ein, dass die CSU noch nicht alle Anhänger erreicht. "Unser größtes Problem ist die Mobilisierung des bürgerlichen Lagers", sagte er. "Wir gehen jetzt in den Endspurt. Wir werden die Schlagzahl noch erhöhen", sagte Huber. Es werde "Aktivitäten so stark wie noch nie" geben.
Huber hatte sich im vorigen Jahr im Kampf um die Nachfolge von Edmund Stoiber als CSU-Chef gegen Seehofer durchgesetzt. Das Amt des Ministerpräsidenten übernahm Günther Beckstein. Seehofer sagte, ein klarer Erfolg bei der ersten Wahl nach dem Abgang Stoibers sei für die Zukunft der CSU von zentraler Bedeutung.
Dieser hatte die Partei 2003 mit 62 Prozent Wählerstimmen zu einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Landtag geführt. "Wir brauchen jetzt eine eigene Legitimation durch ein gutes Wahlergebnis", sagte Seehofer. Dieses würde auch den Einfluss der CSU in Berlin "weiter nach vorne bringen".
Seehofer wies Medienspekulationen zurück, er hege noch Ambitionen auf den Parteivorsitz oder gar das Ministerpräsidentenamt, falls das Duo Beckstein/Huber die absolute Mehrheit in Bayern nicht wieder erreichen sollte oder die CSU gar in eine Koalition müsste. Derartige Berichte seien "Lichtjahre von der politischen Realität entfernt", entgegnete der 59-Jährige. "Niemand soll sich einbilden, dass er von einem schlechteren Abschneiden profitieren kann. Das würde allen schaden."
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