CSU rutscht in Umfrage unter 50-Prozent-Marke

Berlin (Reuters) - Knapp zwei Monate vor der Landtagswahl in Bayern fällt die CSU in der Wählergunst unter 50 Prozent und muss um ihre absolute Mehrheit bangen.

In der am Mittwoch veröffentlichten Erhebung des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap im Auftrag des Bayerischen Fernsehens käme die Partei nur noch auf 48 Prozent der Wählerstimmen, wenn am kommenden Sonntag Landtagswahl wäre. Die SPD käme auf 22 Prozent, die Grünen erreichten neun Prozent. Die FDP würde mit acht Prozent deutlich über die Fünf-Prozent-Hürde springen, während die Freien Wähler genau fünf Prozent erreichten. Die Linkspartei würde mit vier Prozent den Sprung in den Landtag nicht schaffen. Die CSU könnte damit knapp allein weiter regieren.

Führende CSU-Politiker reagierten demonstrativ gelassen auf die neuen Zahlen. "Umfragen der letzten Zeit messen uns zwischen 48 und 52 Prozent", sagte Generalsekretärin Christine Haderthauer. Der Wahlkampf habe aber gerade erst begonnen. Zudem sei die Opposition restlos zersplittert. Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein sagte der "Passauer Neuen Presse" vom Donnerstag: "Umfragen sind keine Wahlen. Von daher sehe ich das nicht problematisch." Die CSU werde mit guten Argumenten bis zum Wahltag kämpfen und um Vertrauen werben.

Nach Ansicht der SPD muss sich die CSU nun sehr wohl warm anziehen. "Ein weiteres Mal und immer deutlicher zeigt sich, das die absolute Mehrheit der CSU gebrochen werden kann", sagte SPD-Kandidat Franz Maget. "Die überwiegende Unzufriedenheit der Wählerinnen und Wähler mit der CSU-Staatsregierung zehrt zu Recht auch an der Partei."

PARTEITAG ZAHLT SICH FÜR CSU NICHT AUS

Die CSU bangt seit Monaten um ihre absolute Mehrheit im Freistaat. Rückenwind hatte sie sich von ihrem Parteitag vor knapp zwei Wochen versprochen. In einer Emnid-Umfrage kurz vor dem zweitägigen Treffen in Nürnberg war sie noch auf 51 Prozent gekommen. Bei der Wahl 2003 hatte sie 60,7 Prozent der Stimmen erhalten. Ziel der CSU für den 28. September sind "50 Prozent plus X". Haderthauer sagte, dabei bleibe es. "Ein starkes Bayern braucht eine klare Mehrheit", sagte sie.

Schon im April hatte in der CSU eine Umfrage für Aufregung gesorgt, die ihr nur noch 44 Prozent der Stimmen vorhersagte. In den Monaten danach hat die Partei mit der Vorlage eines Steuerkonzepts, der Forderung nach Wiedereinführung der alten Pendlerpauschale sowie durch Zugeständnisse an die aufgebrachten bayerischen Hausärzte versucht, Boden gutzumachen. Auf dem Nürnberger Parteitag hatte sie sich geschlossen und kampfbereit präsentiert und nach monatelangen Querelen den Schulterschluss mit der CDU gesucht.

Etwas mehr als die Hälfte der jetzt befragten Wähler glaubt, dass die CSU wieder allein regieren wird. 44 Prozent teilen diese Meinung nicht. Im direkten Vergleich der Spitzenkandidaten liegt Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) mit 58 Prozent klar vor seinem SPD-Herausforderer Maget mit 24 Prozent.

Weiter ergab die Umfrage, dass 82 Prozent der Befragten der Forderung der CSU nach Einführung der vollen Pendlerpauschale zustimmen. 81 Prozent begrüßen die vorgeschlagenen Steuersenkungen. Auf der anderen Seite zeigten sich 52 Prozent der Wahlberechtigten mit der Arbeit der CSU-Landesregierung unzufrieden und weit weniger als die Hälfte (44 Prozent) zufrieden.



Quelle: Reuters (30. Juli 2008)

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Erschienen 30. Juli 2008 bei http://www.reuters.com.

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