Commerzbank – Warnung vor Phishing-Mail

Phishing und kein Ende: war lange Zeit die Postbank im Visier der Betrüger, so hat es diesmal auch die Commerzbank und die Bank of America erwischt. Nach Ansicht von Prof. Dr. Georg Borges von der Ruhr-Universität Bochum erschüttern Phänomene wie Phishing und Pharming inzwischen sogar den Anscheinsbeweis im Zivilrecht. In der schlicht gehaltenen eMail, als deren Absender die Support-Abteilung der Commerzbank vorgegaukelt wird, heisst es in schlechtem Deutsch, dass das Konto zufällig zur Kontrolle ausgewählt worden sei. Um "Kontoinformation durchzunehmen", werden die Kunden gebeten, die Bank mit allen Angaben zu versorgen, "die wir brauchen". Über ein HTML-Formular soll der Kunde dann die Anmelde- oder Teilnahmenummer, PIN und TAN eingeben, um alle Details des Kontos zu überprüfen. Die eMail endet mit "Danken schön." Dagegen führen die in der eMail angegebenen Links in die Irre: sie verweisen sämtlich auf tatsächlich bestehende Angebote unterhalb der Portalseite commerzbanking.de, und verstärken so den Eindruck, es handle sich um eine echte Nachricht. Über eine ähnliche Masche versuchen unbekannte Betrüger, Kunden der Bank of America zu täuschen. Auch dort soll man zur Verifizierung der "account information" persönliche Informationen preisgeben. Die IP-Adresse, unter der das irreführende Webangebot noch am Wochenende aufzurufen war, ist inzwischen gesperrt. Die GE Money Bank will derartigen Attacken nun mit einer so genannten "eTAN" das Wasser abgraben. Dabei handelt es sich um ein zwischengeschaltetes Kontrollgerät. Für die Einrichtung fällt eine Einmalgebühr von EUR 15,– an, Folgekosten gibt es keine. Doch ob sich dieses Modell durchsetzt, bleibt abzuwarten. Weitreichende Auswirkungen auf den so genannten Anscheinsbeweis im Zivilrecht durch Phishing und Pharming fürchtet Prof. Dr. Georg Borges von der Ruhr-Universität Bochum. Nach diesen Grundsätzen kann aufgrund eines bestimmten Sachverhalts auf eine typische Folge geschlossen werden. Beim Online-Banking spricht zum Beispiel das dort verwendete Verfahren mittels PIN und TAN für die Echtheit einer Weisung, Geld zu bezahlen. Durch Phishing gerät dieser Anscheinsbeweis in Wanken, jedenfalls wenn der Nutzer Anzeichen für eine Phishing-Attacke nachweisen kann. Gleiches gelte etwa bei den Benutzerkonten von eBay, obwohl nach Ansicht der Rechtsprechung ohnehin nicht vom Grundsatz ausgegangen werden kann, dass der Passwortinhaber mit dem Kontoinhaber identisch ist. Bisher ungeklärt ist dagegen die Frage, ob dem Opfer einer Phishing-Mail schon eine oftmals haftungsausschliessende grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen werden kann, wenn er auf diese hin seine persönlichen Daten bekannt gibt. Nähere Informationen finden Interessenten auf der Seminartagung "Recht der Internetauktion", die Prof. Borges am 24. Juni ab 9.00 Uhr im Musischen Zentrum der Ruhr-Universität Bochum veranstaltet. Da die Teilnehmeranzahl begrenzt ist, ist eine Voranmeldung erforderlich. Informationen zur Phishingpraxis und wie man ihr begegnen kann, findet man bei ebay.de.

----------------------------------------------------------- Autor: Florian Hitzelberger Weitere Informationen unter: www.domain-recht.de und www.united-domains.de.

Bitte beachten Sie: Dieser Artikel ist nicht mehr im Original verfügbar.

  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Commerzbank

Erschienen 15. Mai 2005 auf http://www.agit-sh.de/dur/.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Phishing Wie Geht Das: Hammer Phishing-Urteil geht nicht weit genug

Handakte WebLAWg | 16. November 2005 — Dass das so genannte Phishing - das Spionieren von PIN und TAN - strafbar ist, zeigt ein vor kurzem bekannt gewordenes Urteil d…

Zivilrechtliche Ansprüche: Zivilrechtliche Ansprüche bei Phishing

Handakte WebLAWg | 6. September 2006 — Das OLG Hamburg hat mit Beschluss vom 07.07.2006 die Berufung gegen ein Urteil des LG Hamburg vom 18.05.2006 gem. § 522 Abs. …

Schutz vor falschen Bank-E-Mails

Handakte WebLAWg | 17. März 2006 — AK-Tipps gegen Phishing: 1. Niemals auf per Email zugeschickte Links clicken! Diese sehen echten Internetseiten täuschend ähn…

AG Wiesloch: Bei durchschnittlich sorgfältigem Handeln des Bankkunden beim Online-Banking haftet die Bank für den sogenannten Phis…

Dr. Bücker Newsfeed | 14. Juli 2008 — Im Urteil vom 20.06.08 Az.: 4 C 57/08 stellte das AG Wiesloch fest, dass die Bank gegenüber seinem Kunden immer dann für den Schad…

Veranstaltungshinweis: Symposium zu Phishing und Online-Banking

IT-Blawg | 4. April 2006 — Am 27.04.2006 findet an der Ruhr Universität Bochum das interdisziplinäre Symposium zu Phishing und Online-Banking statt. Organ…

Grabber – Phishing-Welle schockt Grossbanken

domainundrecht.de | 28. August 2004 — Der Trick bleibt der gleiche, doch die Art seiner Anwendung wird immer dreister: mit einer Welle von so genannten Phishing-Mails e…

Schutz Bei Online Banking: Phishing-Schutz im Online-Banking

Streitsache / Blog | 13. Januar 2005 — Das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie hat eine Studie zum Thema "Phishing-Schutz im Online-Banking - Hilfe z…

Phishing & Co.: Vorsicht nicht nur beim Online-Banking

Recht verkehrt | 12. Juni 2010 — Hatten es „Phisher“ bislang am ehesten auf Zugangsdaten zum Online-Banking abgesehen, so rückt zunehmend die komplette digitale…

Erfolgreicher Angriff auf iTAN-Verfahren

Die neue Mehrsprachigkeit | 15. November 2005 — Kaum haben die ersten Banken das iTAN-Verfahren für einen besseren Schutz vor Phishing-Attacken eingeführt, gibt es einen erst…

Veranstaltungen für IT - Rechtler

Law, my Life and more | 24. Februar 2006 — Prof. Georg Borges, an der juristischen Fakultät der Ruhr - Universität Bochum u.a. verantwortlich für IT Recht, bietet über se…