Iran wirft zwei inhaftierten Deutschen Spionage vor
Reuters | 16. November 2010 — Teheran (Reuters) - Der Iran wirft zwei im Oktober festgesetzten Deutschen Spionage vor. "Der Vorwurf wurde bestätigt", sagte…
Berlin (Reuters) - Der Chefredakteur von "Bild am Sonntag" hat den Iran zur Freilassung von zwei inhaftierten Mitarbeitern aufgefordert.
"Wir verlangen auch im Namen der Familien und der Freunde unserer Reporter Gerechtigkeit für die Inhaftierten", schrieb Chefredakteur Walter Mayer in einem "Kommentar in eigener Sache". Dies bedeute nicht nur die sofortige Freilassung der beiden Kollegen, sondern auch des Sohnes von Sakineh Mohammadi Aschtiani sowie ihres Anwalts.
Die zwei Journalisten waren am 10. Oktober in der nordiranischen Stadt Täbris von Sicherheitskräften festgenommen worden, als sie gerade den Sohn der wegen Ehebruchs zum Tode verurteilten Aschtiani interviewten. Der Reporter und der Fotograf befänden sich in Einzelzellen, "unter schlimmen Bedingungen", schrieb Mayer. Er forderte die Regierung in Teheran auf, die Kollegen vor entwürdigender Behandlung zu schützen. Als absurd wies Mayer den Vorwurf der Spionage gegen seine Mitarbeiter zurück: "Die iranischen Behörden wissen ganz genau, dass es sich um Journalisten und sonst gar nichts handelt." Zu dem Visa-Vergehen, das den Reportern von den iranischen Behörden vorgeworfen wird, erklärte Mayer, dass dies in anderen Ländern normalerweise mit Verwarnung, Ausweisung oder Geldstrafen geahndet werde. Mayer äußerte die Hoffnung, dass es der deutschen Diplomatie und Politik gelingen werde, den Iran zur Freilassung der Kollegen zu bewegen.
Aschtiani war wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt worden. Der Fall hatte weltweit für Entrüstung gesorgt. Die Vollstreckung des Urteils wurde mittlerweile ausgesetzt. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat den ausländischen Medien vorgeworfen, den Fall aufzubauschen, um den Iran in Misskredit zu bringen. Die iranische Justiz prüft Spionagevorwürfe gegen die beiden Deutschen. Bei einer Verurteilung könnte ihnen die Todesstrafe drohen.
Erschienen 21. November 2010 bei http://www.reuters.com.
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