CDU-Politiker: Fundamentalistischer Islam unerwünscht

Berlin (Reuters) - Ein fundamentalistisch geprägter Islam hat aus Sicht der Union keinen Platz in Deutschland.

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier sagte am Donnerstag in seiner ersten Bundestagsrede, zur deutschen Leitkultur gehöre die Trennung von Staat und Kirche. "Sie ist das Gegenmodell zur islamischen Scharia." Es müsse gelingen, Muslimen ein Religionsverständnis zu vermitteln, das die Treue zur Religion mit den Anforderungen eines säkularen Staates versöhne. CSU-Politiker erneuerten ihre Kritik an der Aussage von Bundespräsident Christian Wulff, der Islam sei Teil Deutschlands.

Zuwanderer sollten nicht ihre Religion verleugnen, sagte der hessische CDU-Regierungschef. "Sie sollen aber auch nicht beabsichtigen, der angestammten Bevölkerung ihre Kultur und ihre Religion aufzudrängen." Grundlagen der deutschen Gesellschaft und des Staatverständnisses seien die christlich-abendländische Tradition, ihre Kultur und die Aufklärung.

Wie Bouffier erwähnte auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, Wulff nicht, übernahm aber seine Äußerung, der Islam gehöre zu Deutschland. Allerdings ergänzte sie: "Für einen radikalen Islam, der unsere Werte infrage stellt, ist kein Platz in unserem Land." Beide CDU-Politiker werteten es als nicht hinnehmbar, dass etwa muslimische Mädchen aus religiösen Gründen nicht am Schwimmunterricht oder Klassenfahrten teilnehmen dürften.

Der Vorsitzende des Zentralrates der Katholiken, Alois Glück (CSU), sagte der "Süddeutschen Zeitung", Wulff hätte deutlicher erklären sollen, "dass die christlich-jüdischen und die muslimische Tradition in Deutschland nicht einfach gleichgestellt werden können". Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sagte dem Blatt, es gebe keinen Anlass, "den Islam in unserer Werteordnung zu integrieren".

SPD und Grüne forderten dagegen die Gleichstellung des Islam mit der christlichen und jüdischen Religion. Der Islam sollte als Religionsgemeinschaft anerkannt und den christlichen Kirchen gleichgestellt werden, sagte der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Dies forderte auch der Grünen-Innenpolitiker Memet Kilic: Dies würde den Muslimen das Gefühl geben, in Deutschland willkommen zu sein.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, begrüßte im SWR die Äußerungen Wulffs. In mehreren Jahrzehnten werde von einer christlich-jüdischen-islamischen Kultur in Deutschland gesprochen. Mit Blick auf die Kritiker Wulffs sagte er: "Für bestimmte Politiker ist das der Untergang Deutschlands."



Quelle: Reuters (7. Oktober 2010)

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Themen: Deutschland , Berlin , Germany , Cdu , Western Europe , Europe , Islam , Religion , Csu , Herrmann , Politiker , Tradition , Volker Bouffier , Christian Wulff , General News , German Language - General , Government / Politics , Politics / International Affairs / Law , Central/eastern Europe , Eurozone Countries , Society / Science / Nature , Religion / Belief

Erschienen 7. Oktober 2010 bei http://www.reuters.com.

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