Deutschland verliert bei Afghanen an Ansehen
Reuters | 11. Januar 2010 — Berlin (Reuters) - Nach dem von der Bundeswehr befohlenen Luftangriff in Kundus mit zahlreichen zivilen Opfern ist das Ansehen …
Berlin (Reuters) - Die Bundeswehr verliert in Afghanistan immer mehr an Rückhalt.
Einer Umfrage zufolge wird die deutsche Armee in ihrem Einsatzgebiet kaum noch als Verbündeter, sondern zunehmend als Kriegspartei wahrgenommen. Das Ansehen der Soldaten und deutscher Hilfsorganisationen unter der Bevölkerung ist demnach auf einen Tiefpunkt gesunken. Im Einsatzgebiet der Deutschen wird deren Engagement nur noch von gut jedem Fünften positiv bewertet, zeigt eine am Montag veröffentlichte Umfrage der ARD in Zusammenarbeit mit internationalen Medien wie der britischen BBC. Vor zwei Jahren waren es mit 45 Prozent noch fast die Hälfte. Im gleichen Zeitraum verdreifachte sich die Zahl der Kritiker der deutschen Präsenz von 8 auf 27 Prozent. Knapp die Hälfte der Befragten sieht die Rolle Deutschlands neutral.
Bundesaußenminister Guido Westerwelle wertete die Umfrage als Bestätigung für die Abzugspläne der Bundeswehr und die Übergabe der Verantwortung an die Afghanen: "Wir werden mit aller Konsequenz darauf hinarbeiten, dass 2011 regional mit der Übergabe der Sicherheitsverantwortung begonnen werden kann." Dann könne 2012 erstmals das Bundeswehr-Kontingent reduziert werden, sagte der FDP-Vorsitzende. 2014 sollten dann die Afghanen landesweit vollständig die Kontrolle übernehmen, so dass keine Kampftruppen von Deutschland mehr gestellt werden müssten.
Neben der Bundeswehr selbst wird auch die zivile Hilfe der Umfrage zufolge in den Augen Einheimischer so schlecht gesehen wie noch nie zuvor. Demnach wertet sie nicht einmal jeder Zweite (47 Prozent) positiv, ein Minus von sieben Punkten gegenüber dem Vorjahreswert. Dagegen sind zwei von drei Afghanen überzeugt, dass ein erheblicher Teil der Hilfe in dunklen Kanälen versickert.
Sorgen macht den Afghanen neben der Gewalt vor allem die wirtschaftliche Lage im Land. Sie habe sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschlechtert. Zahlreiche Lebensmittel und Öl zum Heizen und zum Betreiben von Generatoren sei für viele unerschwinglich geworden. Nach neun Jahren Krieg setzten so drei Viertel der Afghanen nach der Umfrage nicht mehr auf einen militärischen Sieg, sondern auf eine Verhandlungslösung.
Erschienen 6. Dezember 2010 bei http://www.reuters.com.
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