Bundesverfassungsgericht: Beweismittel können auch nach rechtswidriger Wohnungsdurchsuchung verwertet werden

Pressemitteilung Nr. 85/2009 vom 28. Juli 2009 Beschluss vom 2. Juli 2009 – 2 BvR 2225/08 –

Das Amtsgericht München ordnete die Durchsuchung der Wohnungen des Beschwerdeführers im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens wegen eines Verstoßes gegen das Markenrecht zum Zwecke der Beschlagnahme von Rechneranlagen sowie von weiteren Unterlagen an. Bei den Durchsuchungen fand die Polizei keine Beweismittel, die im Zusammenhang mit diesem Tatvorwurf standen. Das Ermittlungsverfahren wegen des Verstoßes gegen das Markenrecht wurde daher eingestellt. Der zugrundeliegende Durchsuchungsbeschluss wurde durch die 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts mit Beschluss vom 13. November 2005 – 2 BvR 728/05 u.a. – deswegen aufgehoben, weil der mit der Durchsuchung verbundene Grundrechtseingriff außer Verhältnis zu dem allenfalls geringen Tatverdacht gestanden habe.

Bei der Durchsuchung einer der Wohnungen des Beschwerdeführers, die dieser gemeinsam mit anderen Personen bewohnte, fanden die Ermittlungspersonen in einem dem Beschwerdeführer zugeordneten Zimmer Haschisch in nicht geringer Menge sowie zwei Feinwaagen. Der Beschwerdeführer wurde deswegen vom Amtsgericht wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt. Dieses Urteil wurde auf die Revision des Beschwerdeführers hin vom Oberlandesgericht wegen lückenhafter Beweiswürdigung insoweit aufgehoben, als es um die Zuordnung des Haschischs zum Besitz des Beschwerdeführers ging. Die bei der Durchsuchung gewonnenen Beweismittel sah das Gericht aber als verwertbar an. Der Beschwerdeführer legte gegen diesen Beschluss Verfassungsbeschwerde ein, die nicht zur Entscheidung angenommen wurde.

Nach Zurückverweisung der Sache an das Amtsgericht sprach dieses den Beschwerdeführer vom Tatvorwurf des § 29a BtMG frei. Es bejahte ein Verwertungsverbot bzgl. der gewonnenen Beweismittel im Hinblick auf den mit der Wohnungsdurchsuchung verbundenen schwerwiegenden Grundrechtsverstoß. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft hob das Landgericht wiederum das amtsgerichtliche Urteil auf und verurteilte den Beschwerdeführer wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das Landgericht verneinte ein Verwertungsverbot mit der Begründung, dass dieses nur aus übergeordneten Gründen im Einzelfall anzunehmen sei. Die Revision des Beschwerdeführers blieb ohne Erfolg.

Die erneute Verfassungsbeschwerde des Beschwerdeführers hat die 2. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts nicht zur Entscheidung angenommen. Die Verwertung der bei dieser Durchsuchung gewonnenen Beweismittel im Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer wegen Verstoß gegen das BtmG verstößt nicht gegen Art. 13 Abs. 1 GG. Zwar verletzte die Anordnung und Durchführung der Durchsuchung den Beschwerdeführer in seinem Grundrecht aus Art.…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Gewerblicher Rechtsschutz , Btmg , Amtsgericht , Haschisch , Bvr
Rechtsgebiet: Strafrecht

Erschienen 28. Juli 2009 auf http://www.fachanwaltsliste.de/blog/.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Bundesverfassungsgericht: Beweismittel können auch nach rechtswidriger Wohnungsdurchsuchung verwertet werden

fachanwaltsliste.de | 28. Juli 2009 — Pressemitteilung Nr. 85/2009 vom 28. Juli 2009 Beschluss vom 2. Juli 2009 – 2 BvR 2225/08 – Das Amtsgericht München ordnete…

BVerfG: Beweismittel können auch nach rechtswidriger Wohnungsdurchsuchung verwertet werden

Heymanns Strafrecht Online Blog | 28. Juli 2009 — Das Amtsgericht München ordnete die Durchsuchung der Wohnungen des Beschwerdeführers im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens wege…

“Fruit of the poisonous tree”-Zulässigkeit in Deutschland und bei Immaterialgüter bestätigt

Dr. Behrmann & Härtel | 28. Juli 2009 — Das Bundesverfassungsgericht hat die Zulässigkeit des “Fruit of the poisonous tree”-Grundsatzes in Deutschland und vor allem au…

BVerfG: Beweismittel können auch nach rechtswidriger Wohnungsdurchsuchung verwertet werden - Wichtig: In erster Linie sind die Fac…

beck-blog | 31. Juli 2009 — Auch Beweismittel, die bei einer rechtswidrigen Wohnungsdurchsuchung gewonnen worden sind, können grundsätzlich gegen den Verdächt…

BVerfG: Beweismittel können auch nach rechtswidriger Durchsuchung verwertet werden

Im Namen des Volkers | 28. Juli 2009 — Gegen einen Münchner war ein Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschluss hinsichtlich seines PC wegen des Verdachts des Verstos…

BVerfG: Verwertung von Beweismitteln auch nach rechtswidriger Wohnungsdurchsuchung (Markenverletzung bei eBay)

§§ Jur-Blog.de §§ | 28. Juli 2009 — BVerfG, Beschluss vom 02.07.2009; 2 BvR 2225/08 -Red. Leitsätze: Die Gewährleistung des Art. 13 Abs. 1 GG umfasst den Schut…

Früchte Des Verbotenen Baumes: Früchte des verbotenen Baums dürfen weiter geernet werden

LawBlog | 28. Juli 2009 — Das Bundesverfassungsgericht hat in einer heute veröffentlichten Entscheidung ausdrücklich festgestellt, dass Beweise verwertet…

Verfassungsbeschwerden reihenweise

Rechtslupe | 30. Juni 2010 — Steter Tropfen höhlt den Stein. Stets Verfassungsbeschwerde bringt die Missbrauchsgebühr.Derzeit vermeldet das Bundesver…

Rechtswidrige Wohnungsdurchsuchung – Kein Beweisverwertungsverbot!

Schlosser Aktuell | 28. Juli 2009 — Das Bundesverfassungsgericht hat eine Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung angenommen, bei der es um die Frage ging, ob…

Bundesverfassungsgericht: Zur Frage eines Beweisverwertungsverbotes wegen Verstoßes gegen den Richtervorbehalt bei Anordnung einer…

fachanwaltsliste.de | 15. März 2011 — Pressemitteilung Nr. 21/2011 vom 15. März 2011 Beschluss vom 24. Februar 2011 2 BvR 1596/10, 2 BvR 2346/10 Die Anordnung …