Bundestag legt Hürden für Steuer-Selbstanzeige höher

Berlin (Reuters) - Reuige Steuerhinterzieher kommen nicht mehr so leicht ungeschoren davon.

Der Bundestag legte am Donnerstag die Hürden für eine strafbefreiende Selbstanzeige höher. Straffreiheit wird nur noch gewährt, wenn beim Fiskus umfassend reiner Tisch gemacht wird. Müssen mehr als 50.000 Euro nachgezahlt werden, wird neben den Zinsen von sechs Prozent eine Geldbuße von fünf Prozent fällig. Nach Expertenschätzungen haben die Deutschen im Ausland noch immer 250 bis 300 Milliarden Euro an unversteuerten Geldanlagen und Kapitalerträgen versteckt.

Mit der Gesetzesänderung zieht die Koalition Konsequenzen aus der Flut von Selbstanzeigen, die der umstrittene Ankauf von CDs mit Daten deutscher Bankkunden in Liechtenstein und in der Schweiz ausgelöst hatte. Neben dem neuen Strafzuschlag und dem Ausschluss von Teil-Selbstanzeigen wird der Zeitpunk vorverlegt, bis zu dem Straffreiheit möglich ist. Künftig zählt die Bekanntgabe der Prüfungsanordnung. Bisher hatten Steuerkriminelle Zeit, bis die Fahnder an der Tür klingelten.

Der Unions-Finanzexperte Manfred Kolbe sagte in der Debatte, die strafbefreiende Steuer-Selbstanzeige werde beibehalten, aber so ausgestaltet, dass sie nicht mehr als Teil einer Steuer-Hinterziehungsstrategie missbraucht werden könne. Eine Salamitaktik bei der Offenlegung hinterzogener Steuern sei nicht mehr möglich. Der Vorsitzende des Finanzausschusses, Volker Wissing (FDP) sagte, die 50.000-Euro-Grenze stelle sicher, dass ehrliche Bürger nicht unter falschen Verdacht gerieten, nur weil sie vergessen hätten, Unterlagen beim Finanzamt einzureichen.

Der SPD-Finanzpolitiker Martin Gerster sagte dagegen, von der ursprünglich auch in der Koalition geplanten Abschaffung der strafbefreienden Steuer-Selbstanzeige sei nichts mehr übrig. Der Grünen-Experte Gerhard Schick kritisierte, dass Steuerhinterzieher mehrfach im Leben eine Selbstanzeige stellen könnten. Nach Medienberichten hat sich der Ankauf der Daten-CDs für den Fiskus mehr als gelohnt. Die Finanzämter hätten insgesamt 1,8 Milliarden Euro zusätzlich eingenommen.



Quelle: Reuters (17. März 2011)

  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches


Erschienen 17. März 2011 bei http://www.reuters.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Koalition legt Streit über Steuer-Selbstanzeige bei

Reuters | 25. Februar 2011Berlin (Reuters) - Die Koalition hat ihren Streit über einen Strafzuschlag für reuige Steuerhinterzieher beigelegt. Die Exper…

FDP will keinen Strafzuschlag bei Steuer-Selbstanzeige

Reuters | 22. Februar 2011Berlin (Reuters) - Die Koalition ist noch uneins über die Neuregelung von strafbefreienden Selbstanzeigen für Steuerhinterziehe…

Straffreiheit für Steuersünder wird eingeschränkt

Reuters | 8. Dezember 2010Berlin (Reuters) - Steuersünder sollten künftig nach einer Selbstanzeige nur noch dann straffrei bleiben, wenn sie dem Fiskus a…

Selbstanzeige soll Steuersünder künftig weniger nutzen

Reuters | 8. Dezember 2010Berlin (Reuters) - Steuersünder können bei Selbstanzeigen nicht mehr darauf bauen, weitgehend ungeschoren davonzukommen. Ihne…

Schwarzgeldbekämpfungsgesetz Referentenentwurf: Beschlussempfehlung des Finanzausschusses zum Schwarzgeldbekämpfungsgesetz

Steuerpraxis | 18. März 2011 — Nachdem die Regierungsfraktionen zwischenzeitlich eine Einigung über die wesentlichen Inhalte zum Schwarzgeldbekämpfungsgeset…

Magazin: Fiskus nimmt 1,8 Milliarden Euro durch Steuer-CDs ein

Reuters | 19. Dezember 2010Berlin (Reuters) - Der umstrittene Ankauf von CDs mit Daten von Bankkunden in Liechtenstein und der Schweiz spült einem Magazin…

Strafzuschlag für Steuerhinterzieher spaltet Koalition

Reuters | 22. Februar 2011Berlin (Reuters) - In der Koalition gewinnt der Streit um eine Extrazahlung bei der strafbefreienden Selbstanzeige von Steuer…

Koalition stellt Straffreiheit bei Steuer-Selbstanzeige infrage

Reuters | 18. Februar 2010Berlin (Reuters) - In der Koalition wächst der Unmut über die gesetzlich garantierte Straffreiheit von Steuerkriminellen, die s…

Schäuble will schärfere Regeln für Steuer-Selbstanzeige

Reuters | 25. November 2010Berlin (Reuters) - Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will die Regeln für eine strafbefreiende Selbstanzeige von Steuersünd…

Steuerstrafrecht – der Gesetzgeber “verschärft” die Anforderungen an eine wirksame Selbstanzeige

Conle§i | 23. Juni 2011 — In Deutschland können Steuersünder „Straffreiheit“ unter bestimmten Umständen erlangen. Selbst wer den Tatbestand des § 370 A…