Bank OF Scotland Nicht Erreichbar: Auch Bundesregierung erwägt nun Schritte gegen Goldman
Reuters | 18. April 2010 — New York (Reuters) - Die unter Betrugsverdacht stehende amerikanische Großbank Goldman Sachs gerät immer stärker unter Druck. …
New York (Reuters) - Die unter Betrugsverdacht stehende amerikanische Großbank Goldman Sachs gerät immer stärker unter Druck.
Nach der US-Börsenaufsicht SEC wollen nun auch Deutschland und Großbritannien die Vorgänge um die Vermarktung von verbrieften Hypothekenkrediten (CDO) durch Goldman untersuchen lassen. Zu den Abnehmern des komplizierten Finanzprodukts gehörten die mit Staatsgeld gestützte deutsche Mittelstandsbank IKB und die niederländische ABN Amro, die später teilweise von der britischen Royal Bank of Scotland übernommen wurde. Die Banken sollen durch das Geschäft hohe Verluste erlitten haben.
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte der "Welt am Sonntag", die Finanzaufsicht BaFin werde ein Auskunftsersuchen an die SEC stellen. "Nach einer sorgfältigen Bewertung der Unterlagen werden wir rechtliche Schritte prüfen." Großbritanniens Premierminister Gordon Brown forderte die britische Finanzaufsicht FSA auf, die Vorgänge bei Goldman umgehend unter die Lupe zu nehmen. "Hier ist mit Hunderten Millionen Pfund gehandelt worden, und es sieht so aus, als ob Leute über die Vorgänge in die Irre geführt wurden", sagte Brown dem Fernsehsender BBC.
Die SEC wirft Goldman Betrug bei der Vermarktung der verbrieften Hypothekenkredite vor und hat daher eine Zivilklage gegen die Bank angestrengt. Goldman soll den Käufern wesentliche Informationen über das komplexe Finanzprodukt verschwiegen haben. Der SEC zufolge hätten die Anleger darüber informiert werden müssen, dass der Hedgefonds Paulson & Co des Milliardärs John Paulson an der Zusammensetzung des Produkts beteiligt war und zugleich auf einen Wertverlust der zugrundeliegenden Hypothekenkredite wettete. Hauptverantwortlicher für das Geschäft mit dem Namen Abacus war nach Einschätzung der SEC der nun ebenfalls angeklagte Goldman-Vizepräsident Fabrice Tourre. Der Klageschrift zufolge haben die Investoren durch die Transaktion mehr als eine Milliarde Dollar verloren.
Nach den Vorwürfen der SEC werden dem britischen Premier zufolge nun auch die betroffenen Banken rechtliche Schritte erwägen. Die IKB, die in der Finanzkrise mit milliardenschwerer staatlicher Hilfe vor dem Kollaps bewahrt werden musste, hat der SEC-Klageschrift zufolge im Zuge des Geschäfts fast 150 Millionen Dollar verloren. Eine Sprecherin der IKB wollte sich am Freitag nicht zu den Vorgängen äußern, am Sonntag war die Bank nicht erreichbar.
Hohe Verluste erlitt der SEC zufolge auch die britische Royal Bank of Scotland. Demnach hat RBS im August 2008 Goldman 840 Millionen Dollar gezahlt, um das noch von der ABN Amro eingefädelte Geschäft mit der US-Bank aufzulösen. Nach mehreren Rettungsaktionen ist RBS mittlerweile selbst zu 84 Prozent in der Hand des britischen Staats. Die Bank wollte am Sonntag keine Stellung dazu nehmen, ob sie rechtliche Schritte gegen Goldman erwägt. Eine Sprecherin der britischen Finanzaufsicht FSA lehnte einen Kommentar ab. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte Reuters, die FSA arbeite mit der SEC zusammen, betrachte die Untersuchungen aber in erster Linie als US-Angelegenheit. Die FSA ist in ihrer Arbeit unabhängig, die britische Regierung kann eine Untersuchung durch die Behörde daher nicht anordnen.
Goldman wies die Vorwürfe der SEC als "völlig unbegründet" zurück. Die Bank habe selbst mehr als 90 Millionen Dollar durch die Transaktion verloren. Die Bank habe zudem umfangreich Auskunft über die dem Geschäft zugrundeliegenden Hypothekenpapiere gegeben. "Die Risiken im Zusammenhang mit den Papieren waren diesen Investoren gekannt, die zu den erfahrensten Hypotheken-Investoren weltweit gehörten."
Goldman wird durch die Anklage in die größte Krise seit Jahren gestürzt. Das Haus war aus den weltweiten Turbulenzen der Finanzmärkte gestärkt hervorgegangen und ist inzwischen die einflussreichste Bank der USA. Durch die Klage gerät auch Goldman-Chef Lloyd Blankfein zunehmend unter Druck.
Analysten zufolge droht Goldman eine Strafe in Milliardenhöhe. Zudem könnten weitere Banken ins Visier der SEC geraten. Die Behörde hat angekündigt, auch anderen Betrugsfällen bei strukturierten Finanzprodukten aggressiv nachzugehen, die als Mitauslöser der Finanzkrise gelten. Befürchtungen, dass auch die Deutsche Bank in juristische Auseinandersetzungen verwickelt werden könnte, hatten die Aktie des Geldhauses am Freitag belastet. Nach Recherchen der Internetseite ProPublica haben andere Banken, darunter auch die Deutsche Bank, ähnliche Geschäfte wie Goldman abgewickelt. Demnach haben die Geldhäuser mit Hilfe des Hedgefonds Magnetar CDOs zusammengestellt. Die Banken hätten diese komplexen Produkte dann vermarktet und verkauft, ohne die Rolle oder die Interessen des Hedgefonds offenzulegen, der selbst auf einen Verfall der Papiere wettete. Die Deutsche Bank wollte sich am Sonntag nicht äußern.
Erschienen 19. April 2010 bei http://www.reuters.com.
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