Bundesinnenministerium plant hochgerüsteten Sicherheitstaat

Wenige Tage vor der Bundestagswahl wurde bekannt, dass das Bundesinnenministerium eine Wunschliste (pdf) erweiterter Überwachungs- und Kontrollbefugnisse ausgearbeitet hat – fertig formuliert, um als Textbaustein in den nächsten Koalitionsvertrag übernommen zu werden. Einige Überwachungspläne waren schon aus dem CDU-Wahlprogramm oder aus öffentlichen Äußerungen bekannt. Die jetzt veröffentlichten Bestrebungen sprengen aber alles bisher Bekannte:

Das verdeckte Durchsuchen und Überwachen von Computern (Online-Durchsuchung, Quellen-Telekommunikationsüberwachung) soll künftig nicht mehr nur zur Verhinderung terroristischer Anschläge, sondern bereits zur Ermittlung wegen vergangener Straftaten zugelassen werden. Das Abhören von Wohnungen zur Strafverfolgung soll künftig kein Mithören mehr voraussetzen, wie es das Bundesverfassungsgericht verlangt hatte, um die Stasi-artige Erfassung intimer Vorgänge (z.B. Sex) zu verhindern. Zur Strafverfolgung soll künftig das verdeckte Anbringen von Videokameras in und vor Privatwohnungen zugelassen werden. Künftig soll von jeder Person, die – schuldig oder nicht – von der Polizei erkennungsdienstlich behandelt wird, eine DNA-Probe genommen und aufbewahrt werden. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat eine vergleichbare Praxis in Großbritannien im vergangenen Jahr für unzulässig erklärt. Das Bundeskriminalamt soll das Recht erhalten, Wohnungen ohne Kenntnis des Inhabers zu betreten, um vorhandene Computer zu infiltrieren. Das Bundeskriminalamt soll das Recht erhalten, Personen zum Tragen eines Peilsenders zu verpflichten („elektronische Fußfessel“). Die Polizei soll Zugriff auf Informationen über die Nutzung des Internet (Surfprotokolle) und von Straßen (Mautdaten) erhalten. In diesem Jahr wurde eine Regelung zur Surfprotokollierung durch das BSI mit der Zusicherung beschlossen, eine Nutzung zu Zwecken der Strafverfolgung werde es im Grundsatz nicht geben. In den Knoten der Telekommunikationsnetze sollen – wie in den USA – Filter installiert werden, um unsere Kommunikation nach bestimmten Merkmalen zu durchsuchen. Allgemein soll das Abhören unserer Telekommunikation ausgeweitet werden, obwohl es schon jetzt von Jahr zu Jahr dramatisch zunimmt. Die nationalen Geheimdienste (Verfassungsschutzämter) sollen künftig nicht mehr nur gegen unsere Grundordnung gerichtete Personen, sondern auch Straftäter im Bereich der „organisierten Kriminalität“ beobachten. Der sächsische Verfassungsgerichtshof hat dies für Sachsen bereits als verfassungswidrig verworfen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz soll künftig für die „Terrorismus-Vorfeldaufklärung“ in ganz Deutschland zuständig werden. Die nationalen Geheimdienste (Verfassungsschutzämter) sollen Zugriff auf die Kommunikationsdaten der gesamten Bevölkerung (Vorratsdatenspeicherung) und auf das elektronische Verzeichnis aller Bankkonten und Depots erhalten. Dagegen will die FDP nach ihrem Wa… » Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Juristisches , Metaowl-watchblog , Frühwarnsystem , Praxis , Bundeskriminalamt

Erschienen 3. Oktober 2009 auf http://www.daten-speicherung.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Aufrüstung der Geheimdienste geplant

Daten-Speicherung.de - minimum data, maximum privacy | 25. März 2009 — Nachdem das umstrittene BKA-Gesetz beschlossen ist, will das von Dr. Wolfgang Schäuble (CDU) geführte Bundesinnenministerium de…

Aufrüstung des Bayerischen Verfassungsschutzes geplant

Daten-Speicherung.de - minimum data, maximum privacy | 15. März 2008 — Dem bayerischen Landtag liegt ein Gesetzentwurf vor, der folgendes vorsieht: Das Landesamt für Verfassungsschutz soll geheime…

Kabinett bringt Neuordnung für Arznei-Markt auf den Weg

Reuters | 29. Juni 2010 — Berlin (Reuters) - Das Bundeskabinett hat eine Neuordnung des Arzneimittelmarktes auf den Weg gebracht, durch das die gesetzlichen…

Baden-Württemberg plant drastisch verschärftes Polizeirecht

Daten-Speicherung.de - minimum data, maximum privacy | 28. August 2008 — Das Innenministerium des von CDU und FDP regierten Landes Baden-Württemberg hat einen Gesetzentwurf zur Verschärfung des Poli…

Online-Durchsuchung von PCs

Rechtsanwalt Hänsch, Dresden | 7. Dezember 2006 — Im Rahmen des Kampfes gegen den Terror plant die Bundesregierung, Strafverfolgungsbehörden und Verfassungsschutz den “verdeckte…

Testlauf für Ausländer-Ausweis mit Fingerabdrücken noch 2010

Reuters | 18. September 2010Berlin (Reuters) - Das Bundesinnenministerium startet noch in diesem Jahr einen Test für die neue Aufenthaltskarte von Auslände…

Computerspionage zur Strafverfolgung geplant

Daten-Speicherung.de - minimum data, maximum privacy | 25. März 2009 — Als dem BKA im letzten Jahr gegen viel Widerstand erlaubt wurde, Computer auszuspionieren, begründete man dies damit, dass es n…

Koalitionsvertrag: Bürgerrechte

JIPS News | 28. Oktober 2009 — Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP steht interessierten Bürgern online als pdf-Dokument zur Verfügung. Unter Pun…

Das soll das BKA dürfen

LawBlog | 21. April 2008Patrick Breyer hat die für das Bundeskriminalamt vorgesehenen Befugnisse in Klartext übertragen: Das Bundeskriminalamt …

Anti-Terror-Datei: Gläserner Bürger wird noch transparenter

strafblog | 5. September 2006 — Gestern haben sich die Innenminister des Bundes und der Länder auf die Einführung einer Anti-Terror-Datei geeinigt, welche die Erk…

Das Bundesverfassungsgericht
TKG-Verfassungsbeschwerde.de - Verfassungsbeschwerde gegen das Telekommunikationsgesetz
Bundestagswahl 2009: Wählen Sie Freiheit statt Angst!

Bundestagswahl 2009: Wählen Sie Freiheit statt Angst!


S. und Marper gg. das Vereinigte Königreich
Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! - SPD stimmt verfassungswidriger Surfprotokollierung durch das BSI zu (07.06.2009)

Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung - Freiheit statt Angst!


Verfassungsgerichtshof des Freistaates Sachsen

Verfassungsgerichtshof des Freistaates Sachsen


FDP NachDerWahl - Freiheit statt Angst!