Bundesgerichtshof: Verurteilungen eines Richters und eines Staatsanwalts wegen Rechtsbeugung aufgehoben
Beschluss vom 7. Juli 2010 – 5 StR 555/09 Landgericht – Urteil vom 19. April 2009 – 24 KLs 22/08 –
Das Landgericht Potsdam hat einen 43 Jahre alten Richter und einen 53 Jahre alten Oberstaatsanwalt wegen Rechtsbeugung in Tateinheit
mit schwerer Freiheitsberaubung schuldig gesprochen und sie zu Bewährungsstrafen von zwei Jahren bzw. einem Jahr und acht Monaten
jeweils mit Bewährung verurteilt.
Nach den Urteilsfeststellungen beging der Richter als Vorsitzender des Schöffengerichts Eisenhüttenstadt im Rahmen eines
Strafverfahrens wegen Untreue “absichtlich ein Reihe von schweren Verfahrensverstößen”, um dem dortigen Angeklagten und weiteren
Personen Nachteile zuzufügen. Insbesondere erließ er auf Antrag des Mitangeklagten Staatsanwalts gegen Zeugen, unter anderem den
Verteidiger des dortigen Angeklagten, Haftbefehle, ohne dafür zuständig zu sein.
Der 5. (”Leipziger”) Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat das Urteil des Landgerichts Potsdam wegen eines Verfahrensfehlers
aufgehoben. Die Strafkammer hat in der Besetzung mit zwei statt mit drei Berufsrichtern und zwei Schöffen verhandelt. Diese
Möglichkeit zur Verhandlung in reduzierter Gerichtsbesetzung sieht § 76 Abs. 2 Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) für Verfahren vor, in
denen nicht wegen des Umfangs und der Schwierigkeit der Sache die Hinzuziehung eines dritten Berufsrichters notwendig ist. Hier war
wegen der besonderen Komplexität des Verfahrens, namentlich der erforderlichen umfangreichen Rekonstruktion des Geschehens vor dem
Amtsgericht Eisenhüttenstadt, sowie wegen schwieriger Rechtsfragen im Zusammenhang mit dem Rechtsbeugungstatbestand (§ 339 StGB) die
Mitwirkung von drei Berufsrichtern unerlässlich. Der hat die Sache wegen dieses Rechtsfehlers mit Hinweisen für die neue Hauptverhandl…
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