Bundesgerichtshof: Zur Geltendmachung von Entschädigungsansprüchen wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit für Mitreisende

Der für das Reiserecht zuständige Xa-Zivilsenat hat heute über die Frage entschieden, unter welchen Voraussetzungen ein Reisender Ansprüche auf eine angemessene Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit wirksam auch für Mitreisende geltend machen kann, für die er die Reise im eigenen Namen mitgebucht hat.

Der Kläger buchte bei dem beklagten Reiseunternehmen für seine Ehefrau und für sich eine Donaukreuzfahrt in der Zeit vom 30. Mai bis 16. Juni 2008 zum Preis von 2.273 Euro pro Person. Mit Schreiben vom 9. Mai 2008 sagte die Beklagte die Reise ab und bot eine Umbuchung auf das Jahr 2009 oder wahlweise die Stornierung der Reise an. Der Kläger entschied sich für die Stornierung und beanspruchte mit Schreiben vom 28. Mai 2008 unter anderem Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit, die “ihm als Rentner und seiner Ehefrau als Hausfrau” zustehe. Später trat seine Ehefrau ihren Anspruch aus dem Reisevertrag auf Schadensersatz wegen vergeblich aufgewendeter Urlaubszeit gemäß § 651f BGB* an ihn ab.

Die Beklagte zahlte dem Kläger unter anderem eine Entschädigung in Höhe von 50 Prozent des Reisepreises für eine Person (1.136,50 Euro). Die Zahlung einer entsprechenden Entschädigung für die Ehefrau lehnte sie mit der Begründung ab, dieser Anspruch sei nicht wirksam innerhalb der in § 651g BGB** vorgesehenen Frist von einem Monat nach vertraglich vorgesehener Beendigung der Reise geltend gemacht worden. Der Kläger habe keine Vollmacht gehabt, den Anspruch auch für seine Ehefrau geltend zu machen. Die Ehefrau habe das vollmachtlose Handeln innerhalb der Frist des § 651g BGB auch nicht wirksam genehmigt.

Die Vorinstanzen haben dem Kläger den geltend gemachten Betrag von 1.136,50 Euro wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit seiner Ehefrau zugesprochen. Zwar sei vor der nach Klageerhebung erfolgten Abtretung nur die Ehefrau befugt gewesen, diesen Anspruch geltend zu machen. In der Abtretungserklärung liege aber eine Genehmigung des vollmachtlosen Handelns. Dass die Genehmigung nicht innerhalb der Monatsfrist des § 651g BGB erteilt worden ist, sei rechtlich unerheblich.

Der Bundesgerichtshof hat die Revision der Beklagten gegen das Urteil der Vorinstanz zurückgewiesen.

Der Senat neigt zu der Auffassung, dass der Kläger als Vertragspartner des beklagten Reiseunternehmens ohnehin den Anspruch auf angemessene Entschädigung wegen der von seiner Ehefrau nutzlos aufgewendeten Urlaubszeit aus eigenem Recht geltend machen kann und dem nicht, wie das Berufungsgericht gemeint hat, die “höchstpersönliche” Natur des Entschädigungsanspruchs entgegensteht. Dies bedarf im vorliegenden Fall allerdings keiner Entscheidung, weil auch die Begründung des Berufungsgerichts zutrifft. Die gesetzliche Ausschlussfrist für die Geltendmachung des Entschädigungsanspruchs …

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches


Erschienen 30. Mai 2010 auf http://www.fachanwaltsliste.de/blog/.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Bundesgerichtshof: Zur Geltendmachung von Entschädigungsansprüchen wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit für Mitreisende

fachanwaltsliste.de | 30. Mai 2010 — Der für das Reiserecht zuständige Xa-Zivilsenat hat heute über die Frage entschieden, unter welchen Voraussetzungen ein Reisend…

BGH-Entscheidung zu Entschädigungsansprüchen wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit

News Blog Rechtsanwältin Berger | 12. Juni 2010 — Der BGH hat zu den Voraussetzungen einer angemessenen Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit für Mitreisende ent…

BGH zur Geltendmachung von Entschädigungsansprüchen wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit für Mitreisende

Juraexamen.info | 8. Juni 2010 — Der für das Reiserecht zuständige Xa-Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 27. Mai 2010 über die Frage entschieden, unter we…

Nutzlos aufgewendete Urlaubszeit

Rechtslupe | 26. Mai 2010 — Ein Reisender kann Ansprüche auf eine angemessene Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit wirksam auch für Mitrei…

Entschädigung für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit von Mitreisenden

examensrelevant.de | 15. Juni 2010 — Der für das Reiserecht zuständige Xa-Zivilsenat hat über die Frage entschieden, unter welchen Voraussetzungen ein Reisender A…

BGH – Wer bucht, kann für alle Mitreisenden Ansprüche geltend machen

Mit Fug und Recht | 27. Mai 2010 — N.Lorenz/Pixelio Der Kläger buchte bei dem beklagten Reiseunternehmen für seine Ehefrau und für sich eine Donaukreuzfahrt z…

Bundesgerichtshof: Sozialversicherungsträger müssen Ausschlussfrist des Reisevertragsrechts wahren

fachanwaltsliste.de | 11. Juni 2009 — Urteil vom 9. Juni 2009 – Xa ZR 99/06 OLG Celle – Urteil vom 27. Juli 2006 – 11 U 264/05 LG Hannover – Urteil vom 12. Septe…

Bundesgerichtshof: Sozialversicherungsträger müssen Ausschlussfrist des Reisevertragsrechts wahren

fachanwaltsliste.de | 11. Juni 2009 — Urteil vom 9. Juni 2009 - Xa ZR 99/06 OLG Celle - Urteil vom 27. Juli 2006 - 11 U 264/05 LG Hannover - Urteil vom 12. Septe…

AG München: Bei Reise-Mängeln den Anspruch deutlich geltend machen

Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf | 14. Dezember 2009 — Ansprüche wegen einer mangelhaften Reise sind innerhalb eines Monats nach Reisebeendigung geltend zu machen. Dabei ist klar zum…

BGH (Xa ZR 141/07):Verkürzung der Verjährungsfrist für Ansprüche wegen Reisemängeln unwirksam

Recht für Verbraucher | 26. Februar 2009 — Verkürzung der Verjährungsfrist für Ansprüche wegen Reisemängeln unwirksam Der unter anderem für das Reiserecht zuständige Xa-Zivi…