Bundesbank distanziert sich von Sarrazin - Entscheidung vertagt
Reuters | 30. August 2010 — Frankfurt (Reuters) - Die Bundesbank hat sich von ihrem wegen Äußerungen über Ausländer und Juden in die Kritik geratenen Vor…
Frankfurt (Reuters) - Nach mehrtägigem Zögern will sich die Bundesbank nun doch von ihrem umstrittenen Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin trennen.
Der Vorstand habe Bundespräsident Christian Wulff um die Abberufung Sarrazins gebeten, teilte die deutsche Notenbank in Frankfurt am Donnerstag mit. Der Beschluss sei einstimmig getroffen worden. Auch der Ethik-Beauftragte der Deutschen Bundesbank, Uwe Schneider, unterstütze diesen Antrag uneingeschränkt. Das Bundespräsidialamt wollte sich nicht zu dem Beschluss äußern, kündigte aber eine Pressemitteilung an.
Sarrazin sah sich bereits seit Tagen wegen seiner umstrittenen Thesen zur mangelnden Integration von Ausländern mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Zudem sorgte er mit Interview-Äußerungen für Empörung, Juden teilten ein "bestimmtes Gen". Wulff selbst hat der Bundesbank bereits indirekt die Trennung von Sarrazin nahegelegt. Die Notenbank hatte den früheren Berliner Finanzsenator zu Wochenbeginn bereits gerügt und ihn später zum Rapport bestellt.
Am Nachmittag hatte sich auch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet mit deutlichen Worten von Sarrazin distanziert. "Als Bürger finde ich die Aussagen abstoßend", sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Zugleich sprach er der Bundesbank, die mit ihrem Präsidenten Axel Weber im EZB-Rat vertreten ist, sein Vertrauen aus.
Erschienen 2. September 2010 bei http://www.reuters.com.
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