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Bund und Autoindustrie setzen auf neue Antriebstechniken

am 26.06.2008 von http://www.reuters.com

Berlin (Reuters) - Die Autoindustrie und die Bundesregierung setzen angesichts steigender Energiepreise auf neue Antriebstechniken.

Umweltminister Sigmar Gabriel äußerte sich überzeugt, dass sich Elektroautos in den nächsten Jahren massenhaft verbreiten würden. Bis 2020 würden rund eine Million Fahrzeuge dieser Art auf den Straßen unterwegs seien, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag zum Start eines Pilotprojektes von Volkswagen in Berlin. Bis 2030 würden es zehn Millionen sein. Autos könnten nachts an Steckdosen angeschlossen und so mit dem wachsenden Anteil von Ökostrom versorgt werden. Zugleich würden die Stromnetze stabilisiert und der nächtliche Überschuss gespeichert.

Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) setzte dagegen den Schwerpunkt auf Wasserstoff-Autos. Auch für den Klimaschutz sei dies neben anderen Technologien der richtige Weg: Es geht nicht um drei Cent mehr oder weniger für den Liter Benzin, sondern um drei Liter weniger Verbrauch, sagte er. Nur mit spritsparenden Autos durchkreuzen wir die Preistreiberei der Scheichs und Konzerne, sagte Tiefensee. Er betonte ebenso wie Gabriel, man müsse sowohl die Wasserstoff- wie die Elektrotechnik als Alternative zum Öl fördern.

VERSORGER AN WASSERSTOFF UND ELEKTROAUTOS INTERESSIERT

Während bislang nur teure Demonstrationsmodelle mit Wasserstoffantrieb rollen, könnten einer Studie zufolge 2050 bis zu 70 Prozent der Pkw und Kleintransporter mit einem solchen Antrieb unterwegs sein. Der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid könne damit auf 20 Gramm je Kilometer sinken, sagte Tiefensee. Derzeit hat die Industrie Probleme, das EU-Ziel von 120 Gramm im Durchschnitt zu erreichen.

Bei den Elektroautos haben zuletzt neuartige Batterien für einen neue Schub gesorgt: Die Testflotte von VW auf Golf-Basis soll eine Reichweite bei reinem Elektroantrieb von bis zu 50 Kilometer haben, genug für den Stadtverkehr. Für Langstrecken können Diesel- oder Benzinmotoren zugeschaltet werden. Damit würden sie eine Leistung von bis zu 170 PS erreichen, sagte VW-Chef Martin Winterkorn. Er räumte aber ein, derzeit seien solche Autos noch viel zu teuer, um konkurrenzfähig zu sein. Vor allem die Batterietechnik müsse sich noch weiterentwickeln.

Während Elektroautos lediglich eine Steckdose benötigen, fehlt bei Wasserstoffautos ein flächendeckendes Tankstellennetz. Dies sei aber bezahlbar, sagte Tiefensee. Die Kosten lägen bei 20 Milliarden Euro, deutlich weniger als die Entwicklungskosten etwa des Eurofighter-Kampfjets. Ob sich der Staat daran beteiligen würde, ließ er offen.

Wasserstoff sei ab einem Ölpreis von 130 Dollar je Barrel konkurrenzfähig, sagte ein Sprecher der von Industrie, Wissenschaft und Bund getragenen Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie. Donnerstag kostete ein Barrel 134 Dollar und die Opec sagte einen Anstieg auf 170 Dollar im Sommer voraus.

Ein Ausbau der Wasserstofftechnik sei auch im Interesse der Stromwirtschaft, sagte der Chef der Deutschen Energieagentur, Stephan Kohler. Die geplanten Windenergieparks in der Nordsee würden in einigen Jahren soviel Strom erzeugen, dass es bei viel Wind und wenig Stromnachfrage zu Überkapazitäten komme. Diese könnte gut in Wasserstoff gespeichert werden.

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