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Bund steht trotz Börsenschwäche zu Bahn-Privatisierung

am 17.07.2008 von http://www.reuters.com

Berlin (Reuters) - Das Bundesfinanzministerium will die Teilprivatisierung der Bahn trotz des schwachen Börsenumfeldes wie geplant im Herbst über die Bühne bringen.

Das Interesse der Investoren ist nach wie vor groß, sagte Haushaltsstaatssekretär Werner Gatzer in einem am Donnerstag veröffentlichten Reuters-Interview. Deshalb haben wir im Augenblick nicht die Befürchtung, dass kein angemessener Preis erzielt werden kann. Börsenexperten sagten, es mache keinen Sinn, ein so großes Projekt jetzt schon infrage zu stellen. Eine endgültige Entscheidung werde aber wohl erst im Oktober fallen.

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hatte jüngst unterstrichen, dass das Marktumfeld eine gewichtige Rolle spielen wird. Wenn ich nicht einen angemessenen Preis kriege, geht da nichts, hatte er der Zeitung Die Welt gesagt. Die Bahn-Führung hatte bereits früher deutlich gemacht, dass sie mit dem Börsengang im Zweifelsfall auf einen Termin Anfang 2009 ausweichen würde.

Nach bisheriger Planung sollen im November 24,9 Prozent der Anteile an der Verkehrssparte des letzten großen Staatskonzerns in private Hände übergehen. Gatzer räumte zwar ein, dass das Umfeld schwieriger geworden ist: Zu Verschleudern haben wir nichts. Zugleich bekräftigte er aber die Erwartungen des Ministeriums. Dem Bundeshaushalt werde vereinbarungsgemäß ein Drittel des Privatisierungserlöses zufließen: Eine entsprechende Einnahme haben wir im Haushalt 2009 veranschlagt.

Experten halten einen Gesamterlös aus der Privatisierung zwischen fünf und sieben Milliarden Euro für realistisch. Der Bund könnte demnach mit rund zwei Milliarden Euro rechnen. 2009 rechnet Gatzer insgesamt mit Erlösen aus Privatisierungen und Erträgen aus Bundesbeteiligung in Höhe von 4,3 Milliarden Euro.

Norbert Empting von der Schnigge Wertpapierhandelsbank sagte, die Stimmung an der Börse sei kein unwesentlicher Aspekt für den Börsengang der Bahn. Aber die Stimmung am Markt kann sich schnell ändern. Die Aktienmärkte werden derzeit von der Finanzkrise und Konjunktur- und Inflationssorgen belastet. Der Dax hatte am Mittwoch erstmals seit Oktober 2006 die Marke von 6000 Zählern unterschritten. Damit steht der Leitindex zurzeit fast ein Viertel unter seinem Niveau zu Jahresbeginn.

Sollten das Marktumfeld im November schwierig sein, müsse man mit einem Abschlag oder einer Einstellung des Börsengangs in letzter Minute rechnen, sagte Analyst Per-Ola Hellgren von der Landesbank Baden-Württemberg. Aus heutiger Sicht bleibe die Bahn sicher beim Szenario einer Erstnotiz im Herbst. Aber es steht heute schon fest, dass der Börsengang nicht leicht werden wird.

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