Bund erwartet weniger ungünstige Schuldenentwicklung

Berlin (Reuters) - Die unerwartet lebhafte Konjunkturerholung wird die Neuverschuldung des Bundes vermutlich weniger stark ansteigen lassen als ursprünglich geplant.

Der neue Finanzstaatssekretär Walther Otremba schrieb im jüngsten Monatsbericht des Finanzministeriums vom Freitag, sollte sich die jüngste Entwicklung fortsetzen, "könnte die mit dem 2. Nachtragshaushalt 2009 beschlossene Nettokreditaufnahme von 49,1 Milliarden Euro im Haushaltsabschluss deutlich unterschritten werden". Diese gut 49 Milliarden Euro als Folge der tiefsten Finanz- und Wirtschaftskrise seit 60 Jahren stellen allerdings einen massiven Anstieg gegenüber den neuen Krediten von gerade einmal 11,5 Milliarden Euro im Jahr 2008 dar. 2010 plant die Regierung eine Neuverschuldung von rund 86 Milliarden Euro.

Die inzwischen wieder lebhaftere Konjunktur dämpft immerhin die negative Entwicklung bei den Steuern und im Bundesetat. So lag die Finanzierungslücke im Etat in den ersten zehn Monaten bei 39,1 Milliarden Euro. Das liegt zwar deutlich über dem Vorjahreswert, aber unter den Planansätzen des laufenden Jahres. Dahinter steht ein Anstieg der Ausgaben des Bundes von 1,8 Prozent, was deutlich besser ist, als das bislang für 2009 eingeplante Plus von 7,4 Prozent. Zugleich wiesen die Einnahmen von Januar bis Oktober nur ein Minus von 2,7 Prozent aus gemessen an einem Planminus für 2009 von 6,2 Prozent. Die Steuereinnahmen lagen per Oktober um vier Prozent zurück.

Die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden (ohne reine Gemeindesteuern) erreichten dem Bericht zufolge im Oktober knapp 33 Milliarden Euro, ein Minus von 4,5 Prozent. Gegenüber der Einbuße von 7,4 Prozent im September und 9,9 Prozent im August ist das aber eine erheblich günstigere Entwicklung. Die addierte Veränderungsrate für die Steuereinnahmen in den ersten zehn Monate lag bei minus 5,8 Prozent, wobei die Entwicklung für die Bund mit minus 4,3 Prozent etwas positiver ausfiel. Besser entwickelten sich im Oktober die Einnahmen aus Umsatzsteuern und auch der Körperschaftsteuer, negativer die aus der Lohnsteuer.

Otremba versicherte, die derzeitig von der Regierung betriebene Wachstumspolitik stehe nicht im Widerspruch zu einer konsequenten Konsolidierungspolitik. Mit der endgültigen Überwindung der Krise werde die Haushaltspolitik des Bundes auf einen strikten Konsolidierungskurs zurückgeführt. Er erinnerte daran, dass innerhalb der EU ab 2011 zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte zurückgekehrt werden soll. Ab 2013 müsse Deutschland in der gesamtstaatlichen Defizitquote dann wieder unter der Vorgabe des Europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakets von drei Prozent landen.



Quelle: Reuters (20. November 2009)

  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Berlin , Germany , Western Europe , Europe , German General News , Domestic Politics , Central And Eastern Europe , German Money , Government Debt (national) , Financials , Banks (industry Group) , Bund , Financial Service Providers

Erschienen 20. November 2009 bei http://www.reuters.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Bund trotz günstigerer Steuerentwicklung vor Schuldenrekord

Reuters | 20. Dezember 2010Berlin (Reuters) - Trotz einer günstigeren Steuerentwicklung wird der Bund im laufenden Jahr einen neuen Schuldenrekord nicht v…

Steuereinnahmen weiter im Aufwind - aber Rekordschulden im Etat

Reuters | 22. November 2010Berlin (Reuters) - Trotz der unerwartet günstigen Steuerentwicklung wird der Bund in diesem Jahr an einem neuen Schuldenrekord …

Bundesetat - Bislang geringerer Ausgabenanstieg als geplant

Reuters | 21. Juli 2008Berlin (Reuters) - Die Ausgaben des Bundes haben sich im ersten Halbjahr günstiger entwickelt als auf Ganzjahresbasis geplant. …

Steuereinnahmen Bund 2009: Steuereinnahmen sackten im Krisenjahr 2009 kräftig ab

Reuters | 14. Januar 2010Berlin (Reuters) - Als Folge der schwersten Wirtschaftskrise in der bundesdeutschen Geschichte sind die Steuereinnahmen des Fis…

Ministerium: Neuverschuldung 2008 wird im Plan bleiben

Reuters | 20. Juni 2008Berlin (Reuters) - Die Neuverschuldung des Bundes dürfte nach Einschätzung des Finanzministeriums in diesem Jahr im Rahmen des …

Finanzministerium mahnt trotz guter Etatzahlen zum Sparen

Reuters | 28. Januar 2011Berlin (Reuters) - Das Bundesfinanzministerium hat vor einer Lockerung des Sparkurses gewarnt. Der Bundeshaushalt habe zwar i…

Steuereinnahmen 2009: Städtetag: 20 Prozent weniger Steuereinnahmen 2009 denkbar

Reuters | 2. Mai 2009Berlin (Reuters) - Der Deutsche Städtetag rechnet aufgrund der Wirtschaftskrise 2009 mit einem Rückgang der Steuereinnahmen von…

Einnahmen Des Staates 2008: Kassenlage der Staatshaushalte besser - Defizit geringer

Reuters | 30. September 2008Berlin (Reuters) - Die Kassenlage der öffentlichen Haushalte hat sich im ersten Halbjahr verbessert. Ihre Einnahmen erhöhten …

Weiter positiver Trend bei Steuereinnahmen von Bund und Ländern

Reuters | 21. Februar 2011Berlin (Reuters) - Der positive Trend bei den Steuereinnahmen von Bund und Ländern hat sich dank der guten Konjunktur auch im J…

Zeitung: Steuereinnahmen im Oktober um drei Prozent gestiegen

Reuters | 13. November 2010Berlin (Reuters) - Dank der guten Konjunkturentwicklung sprudeln die Steuereinnahmen in Deutschland weiter kräftig. Nach eine…