(BtMG/Archiv) Sind Amphetamine harte Drogen ? (2 StR 275/90)
Strafverteidigung | 29. Dezember 2010 — I. Der Bundesgerichtshof stuft seit Anfang der 90er Jahre Amphetamine als Betäubungsmittel mittlerer Gefährlichkeit ein und …
I. Amphetaminderivate sind nach Ansicht des BayObLG annähernd so gefährlich wie Amphetamine, somit BtM mittlerer Gefährlichkeit und keine harte Drogen. Diese Entscheidung ist teilweise überholt, da Derivate wie Metaamphetamin aufgrund ihrer Gefährlichkeit als harte Drogen zu werten sind. Bei der Verteidigung ist daher genau zu prüfen, welches Derivat vorliegt und hierzu gegebenfalls Gutachten einzuholen.
Fragen? Wir vertreten in allen Fragen des Straf- und Strafverfahrensrechts. Bitte sprechen Sie uns an!
II. Die Entscheidung
BayObLG, Beschluss vom 18.10.01 AZ 4 St RR 115/01
Tatbestand
Der Angeklagte erwarb am 24.3.2000 in M. von einer unbekannten Person 25 Ecstasy-Tabletten zum Stückpreis von 15 DM. Der Wirkstoffgehalt betrug 27 %; jede Tablette wies 0,086 Gramm Methylendioxymetamphetamin (MDMA)-Base auf. Vier Tabletten hiervon verwendete der Angeklagte zum Eigenverbrauch. Insgesamt 20 Stück veräußerte er zum Stückpreis von 19,50 DM an weitere Abnehmer. Eine Tablette schenkte er dem anderweitig verfolgten A.
Das Amtsgericht verurteilte den Angeklagten am 7.11.2000 wegen unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln in Tateinheit mit unerlaubtem Handeltreiben und unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln zur Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 50 DM. Auf die Berufung des Angeklagten änderte das Landgericht am 10.7.2001 dieses Urteil im Rechtsfolgenausspruch dahingehend ab, dass gegen den Angeklagten unter Einbeziehung einer Verurteilung durch das Amtsgericht vom 4.10.2000, durch das er zu einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je 65 DM verurteilt worden war, eine Gesamtgeldstrafe von 110 Tagessätzen zu je 65 DM verhängt wurde. Die Einsatzstrafe war von der Strafkammer hierbei mit 90 Tagessätzen zu je 50 DM bemessen worden. Im übrigen wurde die Berufung des Angeklagten als unbegründet verworfen.
Die auf die Verletzung des materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten hatte teilweise Erfolg.
Aus den Gründen:
1. Soweit der Angeklagte mit der Revision den Schuldspruch angreift, ist das Rechtsmittel offensichtlich unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO. Die von der Strafkammer vorgenommene rechtliche Würdigung als Vergehen des unerlaubten Erwerbs in Tateinheit mit unerlaubtem Handeltreiben und mit unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln ist nicht zu beanstanden.
2. Der Rechtsfolgenausspruch kann jedoch nicht bestehen bleiben.
2.1 Bei der Bemessung der Einsatzstrafe von 90 Tagessätzen zu je 50 DM hat die Strafkammer straferschwerend berücksichtigt, dass es sich bei den verfahrensgegenständlichen Ecstasy-Tabletten um Betäubungsmitteln mit dem Wirkstoff MDMA gehandelt hat, der im Sprachgebrauch den “harten” Drogen zugerechnet werde. Sie hat hierbei ausgeführt, die Gefährlichkeit von Ecstasy sei inzwischen aus der öffentlichen Diskussion und der Berichterstattung über die Folgen des Ecstasyk…
» Vollständiger ArtikelErschienen 29. Dezember 2010 auf http://www.strafverteidiger.pro.
Strafverteidigung | 29. Dezember 2010 — I. Der Bundesgerichtshof stuft seit Anfang der 90er Jahre Amphetamine als Betäubungsmittel mittlerer Gefährlichkeit ein und …
Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf | 10. Oktober 2010 — Bei Drogen gibt es Mitunter ja eine “geringe Menge” mit sogar das Absehen von der Verfolgung einher gehen kann – ich hatte das …
Strafverteidigung | 21. Dezember 2011 — Cannabis (Marihuana) fällt unter das BtMG, “Gras” möglicherweise auch. Dies durch Auslegung zu ermitteln, ist manchmal nicht …
Strafverteidigung | 16. Dezember 2010 — I. Für die Anwendbarkeit des § 31 BtMG reicht es aus, wenn der Angeklagte über seinen Tatbeitrag hinaus Angaben zu Hintermänner…
Strafverteidigung | 4. Januar 2011 — Der Bundesgerichtshof hob ein Urteil des Landgerichts Düsseldorf ab. Der Angeklagte, der heroinabhängig ist, bewahrte in unmitt…
beck-blog | 14. Mai 2011 — Da hat der BGH auch mit den Ohren geschüttelt: Gekürzte Sachverhaltsdarstellung: Das Landgericht hatte den Angeklagten zunä…
Heymanns Strafrecht Online Blog | 25. Mai 2011 — Nicht so ganz einfach sind die mit der Annahmeberufung zusammenhängenden Fragen (§ 313 StPO). Das zeigt der OLG Koblenz, Besch.…
RA Dr. Böttner | 19. April 2011 — Strafverteidigung / Revision / Körperverletzung mit Todesfolge / Betäubungsmittelstrafrecht 5. Strafsenat des Bundesgerichtsh…
Strafprozesse und andere Ungereimtheiten | 25. Mai 2008 — Manch ein Angeklagter ist schon schwer geschlagen mit seinen Verteidigern. So auch ein Angeklagter, der nach dem Pech mit seiner P…
Strafverteidigung | 16. Dezember 2010 — I. Der Bundesgerichtshof hat in einer aktuellen Entscheidung richtig festgestellt, dass das gewerbsmäßige Handeln beim Handeltr…