BSG zur Feststellung einer Infektion mit dem Hepatitis C-Virus (HCV) als Berufskrankheit

Das BSG hat im Revisionsverfahren auf Feststellung einer Hepatitis C-Infektion als BK Nr 3101 der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) entschieden, dass die Klägerin keinen „Einwirkungen“ im Sinne einer besonders erhöhten Infektionsgefahr ausgesetzt gewesen sei: Eine besondere Infektionsgefahr gemäß BK Nr 3101 beurteile sich nach dem Grad der Durchseuchung des versicherten Tätigkeitsbereichs und dem Übertragungsrisiko der im Gefahrenbereich vorgenommenen Verrichtungen, wobei die Durchseuchung des Arbeitsumfeldes auf der einen und die Übertragungsgefahr der versicherten Verrichtungen auf der anderen Seite in einer Wechselbeziehung zueinander stehen. Nach den Feststellungen des LSG sei die Klägerin einem solchen besonderen Infektionsrisiko nicht ausgesetzt gewesen. Das LSG habe zunächst ein erhöhtes Durchseuchungsrisiko in Altenheimen ausgeschlossen, so dass der Grad der Durchseuchung bezüglich HCV-Antikörper in der Gesamtbevölkerung maßgebend sei. Das LSG habe die Arbeitsvorgänge der Klägerin festgestellt. Diese sei im Wesentlichen im Bereich „Betreutes Wohnen“ eingesetzt gewesen und habe bei den Verrichtungen der Grundpflege, der Wundbehandlung und den Bluttests regelmäßig Gummihandschuhe getragen. Eine Nadelstichverletzung sei nicht festgestellt. Bei maximal 87 Inokulationsvorgängen seien Insulinspritzen mit einer im Vergleich zu anderen Hohlnadelspritzen dünneren Injektionskanüle verwendet worden, die mit einem geringeren Blutaustausch einhergehen. Sie seien ordnungsgemäß entsorgt worden, ohne die Schutzkappe wieder aufzustecken. Das auf die Feststellungen des LSG unter Berücksichtigung der sachverständigen Ausführungen gestützte Ergebnis, die Klägerin sei weder aufgrund einer erhöhten Durchseuchung noch infolge ihrer Arbeitsverrichtungen besonders infektionsgefährdet gewesen, sei für das BSG gemäß § 163 SGG bindend.

Die Feststellungen des LSG seien nicht mit zulässig erhobenen bzw begründeten Verfahrensrügen angegriffen worden. Die Rüge, das LSG habe den Amtsermittlungsgrundsatz ( § 103 SGG) verletzt, sei nicht ordnungsgemäß erhoben worden: Es sei nicht aufgezeigt worden, dass das LSG sich von seinem sachlich-rechtlichen Standpunkt her zu weiteren Ermittlungen hätte gedrängt fühlen müssen. Auch die Rüge, das LSG habe die Grenzen der freien Beweiswürdigung ( § 128 SGG) überschritten, sei unzulässig. Die Klägerin habe kein Denkgesetz benannt, gegen das das LSG verstoßen haben solle. Mit dem Vorbringen, das LSG habe Altenheime als nicht besonders hepatitisgefährdet angesehen und daher einen Du…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Rechtsprechung , Bsg , Bundessozialgericht , Hepatitis C , Hepatitis , Infektion , Berufskrankheit , Medizin- Und Gesundheit(srecht) , Laboratorium , Sozial- Und Sozialversicherungsrecht , Amtsermittlung , Infektionsgefahr , Pflege Und Vorsorge , Altenpflegehelferin , Altenzentrum , B 2 U 22/10 R , Berufskrankheiten-verordnung , BK NR 3101 , Bluttest , Bsg B 2 U 22/10 R , Bundessozialgericht B 2 U 22/10 R , Freie Beweiswürdigung , Gesundheitsdienst , Hcv-infektion , Hepatitis C-virus , Infektionskrankheiten , Inokulationsereignis , Insulinspritzen , Recht Auf Freie Beweiswürdigung , Seroprävalenz , Wohlfahrtspflege , Wundbehandlungen , Zulassungsrevision , § 163 Sgg , Bsg AZ B 2 U 22/10 R – R. S. ./. BG Für Gesundheitsdienst Und Wohlfahrtspflege , Bundessozialgericht B 2 U 22/10 R – R. S. ./. BG Für Gesundheitsdienst Und Wohlfahrtspflege , Hessisches Lsg – L 3 U 5/03 , SG Frankfurt AM Main – S 10 U 2444/01
Rechtsgebiet: Verfahrensrecht

Erschienen 29. September 2011 auf http://jusatpublicum.wordpress.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

BSG zur Feststellung einer Infektion mit dem Hepatitis C-Virus (HCV) als Berufskrankheit

Jus@Publicum | 12. September 2011 — Das Bundessozialgerichts beabsichtigt, am Donnerstag, dem 15. September 2011 in einem Verfahren um die Feststellung einer Infek…

Kirchenbaulasten: Gemeindliche Kirchenbaulasten

Rechtslupe | 11. Dezember 2008 — Vertraglich begr??ndete Kirchenbaulasten der ehemaligen Gemeinden in der sp??teren DDR sind nicht auf die nach der Wende errich…

2 BvR 1447/10 vom 12.08.2010

BVerfG | 12. August 2010 — 1. Der Beschwerdeführer wurde durch Urteil des Amtsgerichts Erlangen vom 26. Oktober 2009 wegen fahrlässiger Unterschreitung des e…

2 BvR 759/10 vom 05.07.2010

BVerfG | 5. Juli 2010 — 1. Der Beschwerdeführer wurde vom Amtsgericht Potsdam am 3. November 2009 wegen fahrlässiger Überschreitung der zulässigen Höchstg…

Infektion eines Bestatters durch Kontakt mit Leichen

Rechtslupe | 14. Dezember 2011 — Als Berufskrankheit kann die Infektion der Bandscheibe und der angrenzenden Wirbelkörper (Spondylodiszitis) eines Bestatters ni…

Grobe Fahrlässigkeit bei Verstoß gegen DIN-Vorschriften

Rechtsanwälte Spoth Beyer Reidlingshöfer | 31. Januar 2012 — In dem Verfahren AZ.: 14 U 88/11 vor dem OLG Celle stritten ein Bauherr und ein am Bau beteiligter Handwerker um Schadensersatz…

Anerkennung von Fußgelenkschäden als Berufskrankheit eines Ofensetzers und Fußbodenlegers

Rechtsanwalt Köper Hamburg | 3. Juni 2009 — Das Sozialgericht Potsdam hat entschieden (Urteil vom 03.04.2009, Az.: S 12 U 3/02), dass Fußgelenkschäden bei einer jahrzentelang…

VerfGH Bayern: Auflösung BayrOLG verfassungsgemäß

Handakte WebLAWg | 29. September 2005 — Nach einer Entscheidung des Bayerischen VerfGH ist die durch § 1 BayObLGAuflG angeordnete Auflösung des BayOblG mit der Bayeris…

Verwaltung: Schädigende Einwirkungen müssen bewiesen werden

LohnPraxis-Weblog | 15. Mai 2007 — An manchen Arbeitsplätzen besteht die Gefahr von bestimmten Berufskrankheiten. Um in einem Krankheitsfall eine Entschädigung zu…

Tolga war bereit

Terrorismus in Deutschland | 10. November 2009 — Heute Nachmittag kam Tolga D. als Zeuge nach Koblenz. Der 32jährige lebte lange in Ulm und wird der dortigen Islamistenszene zu…

BSG zur Feststellung einer Infektion mit dem Hepatitis C-Virus (HCV) als Berufskrankheit | Jus@Publicum