Bröckelnde Mittelschicht - droht Deutschland Chaos und Gewalt?

Eine Untersuchung des DIW weist auf ein Abbröckeln der Mittelschicht in Deutschland hin. Grundlage dafür ist ein Blick auf die Einkommensentwicklung in verschiedenen Einkommensklassen. Je nach Haushaltsgröße wurden dabei Einkommen in untere, mittlere und höhere Regionen eingeordnet. Heraus gekommen ist, dass in den vergangenen 10 Jahren die mittleren Einkommen weniger, die geringeren dagegen mehr geworden seien. Die Ergebnisse wurden gestern als "dramatisch" verbreitet. Dazu gehörte auch der Hinweis, dass der Abstand zwischen arm und reich auch einen Einfluss auf die Gewalthäufigkeit in einem Staat habe. Einige wiesen dementsprechend darauf hin, dass man in Deutschland befürchten müsse, dass Gewalt und unregierbare Zustände entstehen, sollte die Entwicklung einer abbröckelnden Mittelschicht sich verschärften (Quelle: Spiegel-Online).

Was ist davon zu halten? Die Methode: Es wurden vom Mittelwert aller Einkommen (Median, nicht Durchschnitt) ausgehend (im Jahr 2005 bei 1230 Euro Single), die Bezieher von nur 70 % dieses Wertes (860 Euro) und darunter als "untere" Einkommen, mind. 50% darüber (ab 1845 Euro) als "höheres" Einkommen klassifiziert. Die Werte wurden allerdings nach Haushaltsgröße (Partner/Kinder) gewichtet. Dies erscheint sinnvoll, da das Leben zu mehreren "günstiger" ist. Allerdings kann diese Gewichtung auch dazu führen, dass allein der Wechsel der Wohnform zu einer Verschiebung der Gruppen führt. Wer bei gleich bleibendem Einkommen in einen Singlehaushalt zieht, würde damit aus der so definierten Mittelschicht herausfallen. Statistischer Anstieg der Singlehaushalte könnte so einen Teil des Bröckelns der Mittelschicht erklären. Dies wäre allerdings kein reiner "Artefakt", wie Ifo-Präsident Sinn heute in der FAZ meint (FAZ vom 16.06.2010, S. 9). Schließlich kann Trennung/Scheidung durchaus zum ökonomischen Abstieg führen. Nur hat dies dann weniger mit der Entwicklung der Einkommen zu tun.

Die Befunde: Das DIW kommt zum Ergebnis dass "langfristig vor allem die mittlere Einkommensgruppe kleiner geworden" sei. Nun hängt diese Bewertung davon ab, was man als "langfristig" bezeichnet. Schaut man sich die in der Quelle selbst veröffentlichte Grafik an, dann bleibt von einer wirklich langfristigen Entwicklung nicht viel: Die mittleren Einkommen schwanken seit 1993 zwischen 60 und 65 % Anteil, irgendein langfristiger Trend ist hier kaum erkennbar und hängt davon ab, welches Anfangs- und welches Endjahr man für diesen Trend wählt (Quelle DIW , dort Grafik auf S.3). Das DIW weist noch auf einen anderen Messwert hin: Die Durchschnittseinkommen der jew. Gruppen strebten auseinander, also die Reichen würden durchschnittl. reicher, die Armen durchschnittl. ärmer. Auch hier hängt aber das Statuieren eines besorgniserregenden Trends erheblich von der Wahl von Anfangs- und Endjahr ab. Aus der Statistisk des DIW ist beispielsweise erkennbar, dass der dramatischste Trend von 1998…

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Themen: Kriminalität , Spiegel Online , Gewalt , Diw , Kriminologie , Statistik , Einkommensverteilung , Gini , Gini-koeffizient , Mittelschicht
Rechtsgebiet: Strafrecht

Erschienen 16. Juni 2010 auf http://www.blog.beck.de/blog.

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