IP|Rezension: Johann Braun, Kunstprozesse von Menzel bis Beuys
IP|Notiz | 12. Februar 2010 — Johann Braun, Professor für Bürgerliches Recht, Zivilprozessrecht und Rechtsphilosophie in Passau hat mit Kunstprozesse von M…
Für Anfänger und Fortgeschrittene gleichermassen geeignet ist das Werk von Johann Braun. Für jeden, der sich im Laufe des Studiums die Frage stellt: “Was mache ich hier eigentlich?” kann dieses Buch der Retter aus dem schwarzen Loch sein, dergestalt, das der Autor die manchmal unendlichen Tiefen der Rechtswissenschaft plausibel, alltagstauglich und überaus unterhaltsam darstellt. Darüber hinaus nimmt sich Braun der häufig vernachlässigten Rechtsphilosophie an und motiviert zudem den Leser die Dinge auch mal kritisch zu hinterfragen. Auf 406 Seiten, die in 4 große Kapitel übersichtlich gegliedert sind, widmet sich dieses Buch aber auch solchen Themen, die in der gängigen Rechts-Literatur nicht immer einen festen Platz bekommen, so zum Beispiel die Geschichte des Rechts, Rechtsphilosophie und Gedanken zu Recht, Unrecht, Sitte und Moral.
Gleich zu Beginn des ersten Teils greift Braun zu einem Auszug aus Franz Kafkas “Der Prozeß” und führt zu einer diesbezüglichen Interpretation von “Recht”. Dabei wird dem Leser kein “Fertiggericht” vorgesetzt, sondern er wird animiert eigene Gedanken zum Recht zu entwickeln. Diesen Ansatz kann man mit Fug und Recht als den “roten Faden” dieses Buches verstehen, denn zum Ende des Buches begegnet dem Kafka dem Leser erneut.
Im weiteren folgt ein Beitrag zur juristischer Anthropologie. Das Verhältnis des Menschen zum Recht wird von allen Seiten beleuchtet. Dabei spielt die Verwirklichung von Recht im Alltag eine Rolle, das Verhältnis von Gewohnheit und Recht und die Sitte. Insgesamt beleuchtet Braun alle Facetten von Recht im Sozialverhalten und vergisst dabei nicht, die fliessenden Grenzen von Sitte und Recht, aber auch die Unsitte einfliessen zu lassen. Gleichwohl widmet er sich der Entstehungsgeschichte des Rechts und nutzt dazu die Lehre der Rechtsquellen. Stichworte wie Idealität und Realität werden dabei unter heutigen Aspekten besprochen.
Interessant für jeden angehenden Juristen ist die Frage der Gerechtigkeit. Braun führt den Leser über die Strafe zu einem alternativen Lösungsansatz der grossen Gerechtigkeitsfrage . Neben den strafrechtlichen Aspekten spielt konsequenterweise dabei die formelle und materielle Gerechtigkeit in der Betrachtung des Autors eine wesentliche Rolle. Inhaltlich ergänzt wird in drei Abschnitten das Verhältnis von Recht und Politik sowie Moral und Wirtschaft.
Weiter beschäftigt sich Braun mit der Rechtsordnung. Der richtige Platz für die juristischen Denk- und Ordnungsmuster. Neben Normenpyramide und Normenkreis, wird auch das subjektive und objektive Recht dargestellt. Sodann geht Braun über die einzelnen Gebiete der Rechtsordnung zu umschreiben. Neben dem Privatrecht und dessen Bedeutung im Alltag (z.B. in Fragen des Eigentums, Vertragsfragen ect.) durchleuchtet der Autor das Familienleben, das Arbeitsrecht und Verbände nichtstaatlicher Art. Dem folgt das Öffentliche Recht mit einer umfassenden D…
» Vollständiger ArtikelErschienen 29. September 2010 auf http://www.juristischer-gedankensalat.de.
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