Bologna als juristisches Fastfood? "McLaw darf es nicht geben"

Harte, klare, aber eben auch notwendige Worte finden die Professoren Michael Hettinger aus Mainz und Rainer Zaczyk aus Bonn im Editorial der 15. NJW diesen Jahres gegen "Bologna", und stoßen dabei ins gleiche Horn wie vor einiger Zeit Professor Hattenhauer. "Diktatorisch durchgesetzt" werde dieser nicht verbindliche Beschluss, und er führe ins Unglück: Mit Bachelor/Master wird das Studium nicht verbessert, sondern verschlechtert. Nach aller Erfahrung in anderen Studiengängen wird in der Bachelor-Phase das freie und damit selbstständige, das heißt: wissenschaftliche Denken systematisch niedergehalten durch stark verschulte Unterrichtsenheiten. Der Stoff wird reduziert, er wird fragmentiert, parzelliert und permanent "abgeprüft". Auf diese Weise wird bestenfalls eine rechtskundliche Grundausbildung geboten. Nicht mehr wird hingearbeitet auf die wichtigste Fähigkeit des Juristen, vernetzt über die Fächer zu denken und zu urteilen. Ein "ganzes" Studium soll denn auch nur noch wenigen elitären "Mastern" zugebilligt werden, während die anderen mit mangelhaften Fähigkeiten in die berufliche Ungewissheit entlassen werden sollen. Jura als Fast-Food? McLaw darf es nicht geben. Auch Hattenhauer sprach von einer "rechtsnahen Ausbildung", die mit der jetzigen Rechtswissenschaft wenig gemein habe. Das vernetzte Denken, das Erfassen von Grundideen zur Lösung sozialer Probleme mithilfe rechtlicher Instrumentarien und die Anpassung an neue Begebenheiten - sei es in Form neuer gesellschaftlicher Herausforderungen, sei es schlicht in Form neuer Normen - ist gerade das Eigentümliche an der Rechtswissenschaft. Dies ist das Erhaltenswerte an der deutschen Juristenausbildung. Ein Absolvent hat mehr als drei Rechtsgebiete umfassend im Kopf, er ist geschult, zeitlose Instrumentarien anzuwenden. Durch eine segmentierte "Block"-Ausbildung, die gerade jenes Vernetzen, jenen kreativen Part der Rechtswissenschaft ausspart, geht dies verloren. Entlassen würde nach der Einführung des Bachelor in die Rechtswissenschaft ein Absolvent, der für einige Jahre brauchbare Ergebnisse bei der Lösung einzelner Fälle hervorbringt - ein Rechtsdienstleister, der unterginge, wenn es um Fragen neu zu formulierender Gesetze geht, der überfordert wäre bei der Auslegung unbe…

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Themen: Anwaltsmarkt , Studium , Karriere , Mainz , Bonn , Bologna , Njw , Wissenschaft , Fastfood , Bachelor Bologna

Erschienen 6. April 2008 auf http://www.jurabilis.de.

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