Bissl geblättert………in posts & prints

1.

Über die nicht mehr so ganz frische , aber interessante Entscheidung des OLG München zur Unwirksamkeit der AGB-Klauseln der Süddeutschen Zeitung für freie Mitarbeiter vom 21.04.2011 – Az.: 6 U 4127/10 wird bei der Kanzlei Dr. Bahr heute berichtet. (Ich wüsste ja gern: Was wohl aus den Verträgen inzwischen bei der SZ wurde?)

2.

Wer den Pfennig nicht ehrt….. kennt wohl jeder als Redensart, mindestens von seinen Eltern oder Grosseltern.

Mir persönlich ist sehr eindrucksvoll in Erinnerung geblieben, wie die eine meiner beiden Grossmütter, Jahrgang 1917 beispielsweise ihre Aussteuer zusammensparte, obwohl sie als Verkäuferin in einem kleinen Münchner Geschäft nur wenig verdiente. Sie legte jeden Tag soviele Pfennige wie der Kalendertag des Monats lautete, in eine ausgediente Zigarrenschachtel, also am 1. d.Monats 1 Pfennig, am 2.d.M. 2 Pfennige usw. Ich habe das – natürlich bezogen auf den Wert der Münzen der inflationären Entwicklung angepasst – und andere Tricks von ihr schon als Schulmädel übernommen, seit ich mit den ersten Jobs (Nachhilfe, Zeitungsaustragen, in der Schule putzen, Bäckereiarbeit) nebenbei anfing, für Führerschein und Studium Geld zurückzulegen. In der ersten meiner beiden Kanzleien reduzierte ich nach Ablauf meines ersten Jahres der Arbeit dort die Bürokosten um 15 %. *) Zum Erstaunen meines damals noch-Chefs, der daraufhin die eigentlich erst für das Jahr danach vorgesehene Sozietät um 1 Jahr vorziehen wollte. Die Einsparung der 15% geschah natürlich ohne Abstriche bei Personalkosten, versteht sich, diese erhielten im Gegenteil sogar einen Bonus. Auch Fixkostenreduktion im Büro erfordert Teamgeist. Damit am Ende mehr herausspringt für alle.

Ich gestehe daher, ich habe ein grosses Faible für Menschen, denen der Blick für Pfennige und Cents noch nicht abhanden gekommen ist. Allerdings nicht um den Preis einer Geiz-ist-Geil-Priorisierung, deren Kurz- wie Langzeit-Folgen absehbar sind. Egal ob sie sich in schier zusammenbrechenden Arbeitsstühlen widerspiegeln oder anderen unübersehbaren Symptomen, wo am falschen Ende gespart wird. Und man sich fragt, ob da nicht die Berufsgenossenschaft und andere arbeitsmedizinisch relevante Blicke einmal näher hinsehen sollten. Nicht wenige Einsparungen sind manchmal doppelt teuer – bei Personalkosten wie bei Technik. Falsche oder gar marode Arbeitsstühle sind in einer Arbeitswelt, in der allein die Kosten für die Behandlung von Rückenerkrankungen durch falsche Sitz- und Arbeitshaltung unannehmbare Beträge ausmachen, schlicht kurz gedacht, von Fehlzeiten des Personals dadurch abgesehen. Wer beispielsweise High Tech will, aber nur low budget, zahlt in mehr als einer Hinsicht doppelt und dreifach dafür. Direkt bei der Ware, indirekt über damit einhergehende Marktwirkungen. Dennoch ist Kunde König inzwischen bereit, dafür …

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Themen: Rechtsanwalt , Jurablogs , Bonus , Chefs , Jobs , Pfennig , Presseschau , Freie Mitarbeiter , Richterschelte , Prints , Sachlichkeitsgebot , Bloginhalt , Organ Der Rechtspflege , Anwaltsblogs , Berufspflichten , Sachlichkeit
Rechtsgebiet: Berufsrecht

Erschienen 22. September 2011 auf http://jusatpublicum.wordpress.com.

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