Biomasse-Kraftwerk mit konventionellem Anfahrbetrieb

Für den Zeitpunkt der Inbetriebnahme einer Anlage zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbarer Energie ist auch dann auf die erstmalige Inbetriebsetzung der Anlage nach Herstellung ihrer technischen Betriebsbereitschaft abzustellen, wenn der Stromerzeugung aus Erneuerbarer Energie zunächst ein technisch notwendiger konventioneller Anfahrbetrieb mit fossilen Brennstoffen vorausgeht.

Das entschied der Bundesgerichtshof jetzt für den Fall eines mit Pflanzenöl betriebenen BiomasseKraftwerks.

Netzbetreiber sind nach § 5 EEG 2004 verpflichtet, den gemäß § 4 EEG 2004 abgenommenen, aus Biomasse gewonnenen Strom gemäß § 8 EEG 2004 zu vergüten. Gemäß § 8 Abs. 6 Satz 1 EEG 2004 entfällt diese Vergütungspflicht für Strom aus Anlagen, die nach dem 31. Dezember 2006 in Betrieb genommen worden sind, wenn für Zwecke der Zünd- und Stützfeuerung nicht ausschließlich Biomasse im Sinne der Rechtsverordnung nach Absatz 7 oder Pflanzenmethylester verwendet wird.

Keiner Entscheidung bedarf, ob für den Zeitpunkt der Inbetriebnahme im Sinne des § 8 Abs. 6 EEG 2004 darauf abzustellen ist, wann mit der ursprünglich an einem anderen Standort mit einem anderen Erneuerbaren Energieträger (Biogas) betriebenen Anlage, die der Beklagte ganz oder teilweise erworben hat, erstmals Strom aus Erneuerbarer Energie erzeugt worden ist. Denn auch das vom Beklagten auf den Betrieb mit Pflanzenöl umgerüstete Blockheizkraftwerk ist vor dem 1. Januar 2007 in Betrieb genommen worden.

Unter Inbetriebnahme einer Anlage, die Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugt, ist die erstmalige Inbetriebsetzung der Anlage nach Herstellung ihrer technischen Betriebsbereitschaft oder nach ihrer Erneuerung zu verstehen, sofern die Kosten der Erneuerung mindestens 50 % der Kosten einer Neuherstellung der gesamten Anlage einschließlich sämtlicher technisch für den Betrieb erforderlicher Einrichtungen und baulicher Anlagen betragen (§ 3 Abs. 4 EEG 2004). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs setzt die Inbetriebnahme einer Biomasseanlage voraus, dass die Anlage zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien oder Grubengas technisch betriebsbereit ist. Erforderlich dafür ist, dass die Anlage über sämtliche Einrichtungen zur Stromerzeugung unter Einsatz des jeweiligen Energieträgers verfügt. Wenn diese Einrichtungen so angeschlossen sind, dass – wenn auch nach einer Phase des Hochfahrens der Anlage mittels Einsatzes fossiler Brennstoffe – die Anlage durch den Einsatz von Biomasse dauerhaft Strom erzeugen kann, ist die technische Betriebsbereitschaft der Anlage hergestellt.

Diese für eine Inbetriebnahme erforderlichen Voraussetzungen erfüllte die vom Beklagten betriebene Anlage entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts bereits vor dem nach § 8 Abs. 6 EEG 2004 für die Vergütungspflicht der Klägerin maßgebenden Stichtag 1. Januar 2007.

Die Anlage des Beklagten war vor dem 1. Januar 2007 technisch betri…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Bundesgerichtshof , Erneuerbare Energien , Kraftwerk , Strom , Eeg , Biomasse-kraftwerk

Erschienen 28. April 2011 auf http://www.rechtslupe.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

BGH entschiedet zum Inbetriebnahmezeitpunkt einer Biomasseanlage bei technisch notwendigem konventionellen Anfahrbetrieb

LEXEGESE | 26. April 2011 — Für den Zeitpunkt der Inbetriebnahme einer Anlage zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbarer Energie ist auch dann auf die erstm…

Bundesgerichtshof entscheidet über Inbetriebnahme bei Biomasseanlagen

Paluka.de: Blog | 20. August 2008 — Der Bundesgerichtshof hat mit seinem am 21.05.2008 verkündeten Urteil, Az. VIII ZR 308/07, die bisherige Rechtsprechung der I…

Inbetriebnahmezeitpunkt von PV-Anlagen

Paluka.de: Blog | 1. Juli 2010 — Nach § 3 Nr. 5 EEG 2009 bedeutet „Inbetriebnahme“ die erstmalige Inbetriebsetzung der Anlage nach Herstellung ihrer technischen…

Inbetriebnahmezeitpunkt von PV-Anlagen

Paluka.de: Blog | 1. Juli 2010 — Nach § 3 Nr. 5 EEG 2009 bedeutet „Inbetriebnahme“ die erstmalige Inbetriebsetzung der Anlage nach Herstellung ihrer technischen…

Neues Urteil zum Anlagenbegriff bei Biogasanlagen

Paluka.de: Blog | 21. Januar 2008 — Das OLG Koblenz hat sich in seinem Urteil vom 06.11.2007 rechtsgrundsätzlich zum Anlagenbegriff bei Biogasanlagen geäussert. …

Neues Urteil zum Anlagenbegriff bei Biogasanlagen

Paluka.de: Blog | 21. Januar 2008 — Das OLG Koblenz hat sich in seinem Urteil vom 06.11.2007 rechtsgrundsätzlich zum Anlagenbegriff bei Biogasanlagen geäussert. …

Bundesnetzagentur Photovoltaikanlagen: Photovoltaikanlagen: Die Anforderungen seit dem 01.01.2009

Schlosser Aktuell | 14. Mai 2009 — Seit dem 1. Januar 2009 hat sich für Betreiber von Photovoltaikanlagen einiges geändert: Sie müssen der Bundesnetzagentur Sta…

Clearingstelle 2008/19: Clearingstelle EEG: Empfehlung 2008/19 (Sachmangelbedingter Austausch von Fotovoltaikmodulen - Inbetriebnahmezeitpunkt) veröffentl…

LEXEGESE | 23. Juni 2011 — Die Clearingstelle EEG hat am 23. Juni 2011 ihre praktisch höchst relevante Empfehlung 2008/19 zum Inbetriebnahmezeitpunkt bei…

Strom aus Biomasse: Mehrere Anlagen oder Großanlage?

Schlosser Aktuell | 14. Mai 2009 — Der erste Senat des Bundesverfassungsgerichts hatte über einen Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Anordnung aufgrund der Neur…

OLG Schleswig entscheidet zum Inbetriebnahmezeitpunkt von PV-Anlagen

LEXEGESE | 26. März 2012 — Wird eine Solarstromanlage (Photovoltaikanlage) nur teilweise im Jahr 2009 fertig gestellt, kann auch nur für diesen Teil der An…