BGH: marions-kochbuch.de - Zur Haftung des Internet-Portalbetreibers für zu eigen gemachte Inhalte Dritter (hier: Rezepte nebst
Speisenfotografien).
1. Eigene Inhalte sind nicht nur selbst geschaffene, sondern auch solche Inhalte, die sich der Anbieter zu eigen gemacht hat.
Maßgeblich hierfür ist eine objektive Sicht auf der Grundlage einer Gesamtbetrachtung aller relevanten Umstände. 2. Der Betreiber
eines Internetportals, in das Dritte für die Öffentlichkeit bestimmte Inhalte (hier: Rezepte) stellen können, haftet für diese
Inhalte nach den allgemeinen Vorschriften, wenn er die eingestellten Inhalte vor ihrer Freischaltung auf Vollständigkeit und
Richtigkeit überprüft und sie sich damit zu eigen macht. Dies gilt auch dann, wenn für die Nutzer des Internetportals erkennbar ist,
dass die Inhalte (ursprünglich) nicht vom Betreiber, sondern von Dritten stammen. Ein Hinweis darauf, dass sich der Portalbetreiber
die Inhalte zu Eigen macht, liegt auch darin, dass er sich umfassende Nutzungsrechte an den fremden Inhalten einräumen lässt und
Dritten anbietet, diese Inhalte kommerziell zu nutzen. 3. Allein die Kenntlichmachung eines fremden - auf einem Internetportal
veröffentlichten - Inhalts als solchen schließt dessen Zurechnung zu dem Anbieter des Internetportals nicht aus. Indem der Betreiber
eines Internetportals eine Kontrolle hinsichtlich der Vollständigkeit und Richtigkeit von durch Dritte eingestellten Inhalten ausübt,
diese Inhalte in sein eigenes Angebot integriert und etwa unter einem eigenen Emblem veröffentlicht, erweckt der Betreiber den
zurechenbaren Anschein, sich mit den fremden Inhalten zu identifizieren und sich diese zu eigen zu machen. Dies gilt umso mehr wenn
sich der Bertreiber darüber hinaus die betreffenden Inhalte Dritter auch wirtschaftlich zuordnet (hier: Einräumung von umfassenden
Nutzungsrechten). Dann beschränkt sich der Betreiber nicht lediglich auf die technische Vermittlerrolle (§§ 8 bis 10 TMG). 4. Wer von
Internetnutzern auf einem Internetportal "hochgeladene" - urheberrechtlich geschützte - Inhalte erst nach einer Kontrolle
freischaltet und dann zum Abruf bereithält, ist Werknutzer. 5. Wer ein fremdes Werk nutzen will, muss sich sorgfältig Gewissheit über
seine Befugnis dazu verschaffen (BGH, Urteil vom 10.10.1991 - Az. I ZR 147/89 - Bedienungsanleitung, BGH, Urteil vom 20.05.2009 - Az.
I ZR 239/06, MIR 2009, Dok. 159 - CAD-Software). Im Urheberrecht gelten insoweit - wie generell im Immaterialgüterrecht - hohe
Sorgfaltsanforderung. Bei der Übernahme von Dritten auf einem Internetportal eingeste…
» Vollständiger Artikel