BGH: Kosten eines Abwehrschreibens - Die dem Beklagten durch ein vorgerichtliches Abwehrschreiben entstandenen Kosten stellen, soweit sie auf die Verfahrensgebühr nicht anrechenbar sind, keine notwendigen Kosten der Rechtsverteidigung i.S. des § 9
am 26.05.2008 von MEDIEN INTERNET und RECHT
1. Die dem Beklagten durch ein vorgerichtliches Abwehrschreiben entstandenen Kosten stellen,
soweit sie auf die Verfahrensgebühr nicht anrechenbar sind, keine notwendigen Kosten der
Rechtsverteidigung i.S. des § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO dar.
2. Ein Abwehrschreiben zielt - auch wenn es die Reaktion auf ein Abmahnschreiben darstellt -
nur auf die Vermeidung einer gerichtlichen Auseinandersetzung ab. Kosten, die zur Abwehr eines
drohenden Rechtsstreits aufgewendet werden, stellt aber keine Kosten der Prozessvorbereitung dar, die
dann, wenn sie in Bezug auf einen bestimmten Rechtsstreit vorgenommen worden sind, im Kostenfestsetzungsverfahren
erstattungsfähig sind (OLG Schleswig JurBüro 1981, 582; a.A. OLG Hamburg OLG-Rep 2006, 691, 692).
3. Auch die Kosten einer Abmahnung gehören im Hinblick auf deren Funktion der Streitbeilegung ohne
Inanspruchnahme der Gerichte und Ausschluss der für den Gegner, ohne vorherige Abmahnung grundsätzlich
bestehende Möglichkeit, den gerichtlich geltend gemachten Anspruch mit der Kostenfolge des § 93 ZPO anzuerkennen
nicht zu den einen Rechtsstreit unmittelbar vorbereitenden Kosten (BGH, Beschluss vom 20.10.2005 - I ZB 21/05 = WRP 2006, 237).
Nichts anderes gilt für die Kosten eines Abwehrschreibens; denn ein solches Schreiben soll einen drohenden Rechtsstreit
nach seiner Bestimmung nicht fördern, sondern gerade verhindern.
4. Insoweit ist ein Abwehrschreiben auch nicht mit einer Schutzschrift zu vergleichen. Eine Schutzschrift ist …
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