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BGH hält Heimtückemord an eigenem fünfjährigem Kind für möglich

am 10.03.2006 von http://www.strafblog.de

Der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofes hat heute ein bemerkenswertes Urteil zur Frage des Heimtückemordes an Kleinkindern gefällt (Az: 2 StR 561/05). Er hob nach einem Bericht der FAZ ein Urteil des Landgerichts Mülhausen/Thüringen auf, durch welches der Vater eines 5-jährigen Kindes, der dieses und deren knapp zwei Jahre alten Bruder im Schlaf getötet hatte, wegen zweifachen Totschlags zu 13 Jahren und 6 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden war. Die Tötung des dritten Kindes hatte der Mann nicht mehr fertig gebracht.

Im Falle der 5-jährigen Tochter komme auch das Mordmerkmal der Heimtücke in Betracht, meint der BGH. Zwar scheide nach ständiger Rechtsprechung bei der Tötung eines Kleinkindes durch den eigenen Elternteil in der Regel Heimtücke aus. Da ein Kind bis etwa drei Jahre zwar arglos und wehrlos sei, sich aber auch in wachem Zustand dem Angriff auf sein Leben durch ein Elternteil nicht widersetzen könne, schließe die Rechtsprechung Heimtücke in solchen Fällen aus. Die Dreijahresgrenze gelte aber nicht schematisch, sondern es müsse jeweils die Entwicklung des Kindes geprüft werden.
Bei einem mehr als fünfjährigen Kind könne davon ausgegangen werden, daß es einen Angriff bemerke und sich zumindest durch Schreien wehren würde, erklärten die Richter. Deshalb komme bei Ausnutzung des Schlafes ein Heimtückemord in Betracht. (Stichwort für Juristen: Wer einschläft, ohne sich eines Angriffs zu versehen, nimmt die Arglosigkeit mit in den Schlaf). Jetzt muss die Sache vor einer anderen Kammer des Landgerichts neu verhandelt werden.

Autor: RA Rainer Pohlen



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