Alle Blogs » BGH: Fahren ohne Fahrerlaubnis kann isolierte Sperrfrist rechtfertigen

BGH: Fahren ohne Fahrerlaubnis kann isolierte Sperrfrist rechtfertigen

am 23.03.2007 von http://www.strafblog.de

Aufgrund der gesetzlichen Zuständigkeitsregelungen kommt es nur relativ selten vor, dass sich der Bundesgerichtshof mit verkehrsstrafrechtlichen Fragen befasst. In einem Revisionsverfahren, in dem es um rund 100 Straftaten und um 7 Jahre Gesamtfreiheitsstrafe ging, hatte der BGH vor kurzem aber mal wieder Gelegenheit, sich mit mit solchen Fragen zu befassen. Der Angeklagte war nämlich unter anderem auch wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in 15 Fällen angeklagt. Daür hatte das Gericht neben der erkannten Einzelstrafen auch eine sogenannte isolierte Sperrfrist für die Erteilung einer Fahrerlaubnis von 4 Jahren verhängt.

Der BGH hat mit Urteil vom 5.9.2006 - 1 StR 107/06 - , abgedruckt in NStZ-RR 2007, 89, klargestellt, dass das Fahren ohne Fahrerlaubnis ein typisches Verkehrsdelikt im Sinne des § 69 Abs. 1 StGB darstelle, auch wenn es im Katalog des § 69 Abs. 2 StGB nicht ausdrücklich aufgeführt sei. Wem die Erlaubis fehle, mit dem Pkw am öffentlichen Straßenverkehr teilzunehmen, der verletze eine typische Pflicht im Zusammenhang mit dem Führen eines Kraftfahrzeuges in besonders augenfälliger Weise. Dies deute regelmäßig auf die fehlende charakterliche Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen hin. Nur im - hier nicht gegebenen - besonderen Einzelfall könne eine andere Beurteilung in Betracht kommen.

Die Revision des Angeklagten wurde auch im Übrigen bis auf einige eher kosmetische Korrekturen verworfen. Die Sperrfrist wird ihm nicht sonderlich weh tun, da er im Knast ohnehin nicht Autofahren kann. Aufgrund vielfältiger Vorstrafen wird er seine Strafe auch nicht im offenen Vollzug verbüßen können, so dass er den Führerschein in den nächsten Jahren kaum brauchen dürfte.

Autor: RA Oliver Maier

Kanzlei POHLEN + MEISTER

« »

Entscheidung zum Erwerb einer tschechischen Fahrerlaubnis während einer noch laufenden Sperrfrist wegen Trunkenheitsdelikts: Europafreundlichkeit geht nicht vor Verkehrssicherheit

Recht und Alltag / Der 1. Strafsenat des Oberlandesgerichts (OLG) Stuttgart hat heute in einem Revisionsverfahren einen Fall des so genannten Führerscheintourismus entschieden. Dem 31-jährigen Angeklagten war nach wiederholten Verurteilungen wegen Trunkenheit im Ver…

Tschechischen Fahrerlaubnis während der Sperrfrist

Kreuzberger Verkehrsrecht / Das OLG Stuttgart hat eine Entscheidung zum Erwerb einer tschechischen Fahrerlaubnis während einer noch laufenden Sperrfrist wegen Trunkenheitsdelikts veröffentlicht – unter dem Titel: “Europafreundlichkeit geht nicht vor Ve…

OLG München: Nutzung einer EU-Fahrerlaubnis nach Ablauf der Sperrfrist

Strafprozesse und andere Ungereimtheiten / Das OLG München führt in seiner erfreulich deutlichen Entscheidung u.a. aus:Der Inhaber einer in einem anderen Mitgliedstaat der EU erworbenen Fahrerlaubnis macht sich nicht strafbar, wenn er nach Ablauf der gegen ihn im Inland erteilten Sperrfrist…

Der verpfändete Führerschein und die Staatsanwaltschaft

Kanzlei Menschen und Rechte / Ungezählt sind die juristischen Auseinandersetzungen um des Deutschen liebstes Dokument, die Fahrerlaubnis. Beginnend mit dem Kampf um Erhalt der Fahrerlaubnis über Verkürzung der Sperrfristen bis hin zur Wiedererlangung des für viele kostenbaren…

“Bewährung” in Meiningen

Rechtsanwalt Achim Flauaus / Das Amtsgericht Eisenach hatte den fünffach einschlägig vorbestraften Angeklagten wegen zwei Fällen von Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 2 Monaten verurteilt. Hinzu gekommen wäre noch eine Vorstrafe von 7 Monaten…

Frisiertes Mofa - am liebsten hätte ich die Robe garnicht erst angezogen

Mord ist mein Beruf / Eine liebe Kollegin hatte mich gebeten, ihren Mandanten vor dem Jugendrichter zu vertreten. Angeklagt war Fahren ohne Fahrerlaubnis, nämlich mit frisiertem Mofa. Als der jugendliche Mandant von der Polizei angehalten wurde, äußerte…

BFH: Verstößt die höhere Besteuerung umwandlungssteuerrechtlicher Übernahmegewinne im Veranlagungszeitraum 1999 gegen den verfassungsrechtlichen Parlamentsvorbehalt?

STEUERRECHT / BFH-Beschluss vom 27.08.2008 - I R 33/05 Presseerklärung des Bundesfinanzhof (BFH) Nr. 118: “Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Beschluss vom 27. August 2008 I R 33/05 ein bei ihm anhängiges Revisionsverfahren ausgesetzt und die Entscheidung d…

Rabattwerbung: Praktiker verliert vor dem BGH mit 20% auf alles

IT-Rechtsinfo / Praktiker hatte noch vor dem Landgericht und dem Oberlandesgericht gewonnen. Die Klägerin - eine Verbraucherzentrale - hatte hiergegen Revision eingelegt und Recht behalten. Im vorliegenden Fall hatte Praktiker nachweislich bei vier Artikeln kurz vo…

BGH: Weiterarbeiten am Modell: Knast für alle

Rechtsanwalt Achim Flauaus / Der BGH hatte in Fällen der Wirtschaftskriminalität schon kürzlich einen wichtigen Beitrag zur Weiterarbeit an seinem Modell “Knast für alle” geleistet, indem er mit der Vollstreckungslösung bei in diesen Fällen üblicher langer Ver…

» Suche in den JuraBlogs

Automatisch übernommen von:

POHLEN + MEISTER

Weblog unserer Kanzlei für Strafrecht und Verkehrsrecht

Das Blog des Autors ist temporär nicht erreichbar.

» Aktuell in den Lawblogs

» Top-Meldungen

» TOP-Meldungen per E-Mail

Infos zum kostenlosen Service »