BGH: Domain-Freiheit für Steuerberater-Werbung
Welche Domain-Namen sind berufsrechtlich gesehen für legitim?
Der 5. Senat für die Steuerberater- und Steuerbevollmächtigtensachen des Bundesgerichtshofs schuf nun für die Domain
steuerberater-suedniedersachsen.de Klarheit, indem er die Revision der Staatsanwaltschaft gegen ein Urteil des OLG Celle vom
03.12.2009 verwarf.
Das sprach
gegen einen Steuerberater, der sich seit dem Jahr 2006 unter dem etwas sperrigen Domain-Namen steuerberater-suedniedersachsen.de
präsentiert, einen Verweis wegen berufswidriger Werbung aus, § 57 Abs. 1 StBerG. Das Oberlandesgericht in Celle hob dieses Urteil auf
die Berufung des Steuerberaters hin auf und sprach ihn frei. Die Staatsanwaltschaft ging in Revision vor den zuständigen Senat des
Bundesgerichtshofes, hatte da jedoch keinen Erfolg (BGH StbSt (R) 2/10, Urteil vom 01.09.2010).
Der Bundesgerichtshof schaute sich die Domain genau an und gelangte zu der Ansicht, die Kombination von Gattungsbegriff und Region
stellt keine unerlaubte Werbung im Sinn des Berufsrechts der Steuerberater dar. Steuerberatern ist Werbung erlaubt, soweit sie über
die berufliche Tätigkeit in Form und Inhalt sachlich unterrichtet und nicht auf Erteilung eines Auftrags im Einzelfall gerichtet ist;
er darf über seine Dienstleistung und seine Person informieren, solange die Angaben sachlich nachprüfbar und nicht berufswidrig sind.
Der BGH konzedierte, dass von Steuerberatern eingerichtete Internet-Domains dazu dienen, Mandanten zu gewinnen, was Werbung im Sinne
des Berufsrechts ist. Doch die Werbung des hier betroffenen Steuerberaters sei nicht irreführend und deshalb erlaubt.
Der Steuerberater berühme sich mit dem Domain-Namen als solchem keiner Sonderstellung unter den Steuerberatern in der bezeichneten
Region. Und dass kein anderer Steuerberater unter dem Domain-Namen für sich werben kann, sei durch das Prioritätsprinzip bei der
Domain-Registrierung gedeckt.
Zudem erscheine das mit dem Domain-Namen bezeichnete Einzugsgebiet als zu groß, als dass verständige Internetnutzer meinen würden, er
sei im südniedersächsischen Raum der einzige Steuerberater. Eine Alleinstellungsbehauptung liege damit nicht vor.
Auch die Gefahr einer Kanalisierung der Rechtssuchenden hält der BGH für gering und nicht relevant, da kaum zu erwarten sei, dass
Internetnutzer neben dem Begriff Steuerberater auch den regionalen Begriff, der gerade keinen Landkreis bezeichnet, sondern eine
weniger präzise Gebietsbezeichnung ist, eingäben.
Eine Irreführung der Nutzer ergibt sich auch nicht aus dem Umstand, dass man unter der Domain einen Verband oder eine Liste von
unterschiedlichen, in der Region tätigen Steuerberatern erwarte. Etwaige Fehlvorstellungen von Nutzern würden durch Kenntnisnahme der
Homepage sogleich korrigiert.
Eine berufsrechtswidrige Werbung liegt also seitens des St……
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