BFH: Keine Umsatzsteuerpflicht für Briefmarkensammler, der (Teile seiner) Sammlung veräußert und 386.000 DM Erlös erzielt

BFH, Urteil vom 29.06.1987, Az. X R 23/82 § 2 Abs. 1 UStG (1967)

Der BFH hat mit diesem schon betagteren Urteil entschieden, dass ein Briefmarkensammler, der mit dem Verkauf einer Briefmarkensammlung einen Gesamterlös von 386.000 DM erzielt, gleichwohl nicht im steuerrechtlichen Sinne “nachhaltig tätig” sein muss und dementsprechend auch nicht notwendigerweise als umsatzsteuerpflichtig zu behandeln ist, wenn er im Rahmen einer aus privaten Neigungen begründeten und fortgeführten Sammlung Einzelstücke in der Art des Wegtauschens veräußert und Teile der Sammlung umschichtet oder die Sammlung teilweise oder vollständig veräußert.

Bundesfinanzhof

Urteil

[…]

Sachverhalt

Der Kläger und Revisionskläger (Kläger) ist Beamter. Seit seinem 15. Lebensjahr sammelt er Briefmarken. Er hatte sich im Laufe der Jahre eine umfangreiche Deutschland-Generalsammlung aufgebaut, die er in der Vermögensteuererklärung zum 01.01.1974 mit 210.000 DM ansetzte. Er gibt an, er habe für den Aufbau der Sammlung insgesamt etwa 150.000 DM aufgewandt.

Der Kläger hatte vor Beginn des Streitzeitraums begonnen, eine “Spezialsammlung Berlin” aufzubauen. Auch wollte er sein Vermögen anderweitig anlegen. Er entschloß sich daher, einen großen Teil der allgemeinen Deutschland-Sammlung aufzulösen. In den Jahren 1974 bis 1977 übersandte er mehrere Teile seiner Deutschland-Sammlung an einen Auktionator. Dieser sortierte die Marken, bewertete sie und versteigerte sie auf seinen viermal jährlich stattfindenden Auktionen. Erwerber waren verschiedene Kunden. Aus den Versteigerungen flossen dem Kläger von September 1974 bis Mai 1977 ca. 386.000 DM zu.

Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt - FA -) erließ für 1974 bis 1977 Umsatzsteuerbescheide. Einspruch und Klage blieben erfolglos. Das Finanzgericht (FG) hat in seiner in Umsatzsteuer-Rundschau (UR) 1982, 165 veröffentlichten Entscheidung ein nachhaltiges Tätigwerden des Klägers bejaht.

Der Kläger macht mit der Revision geltend: Er sei nicht nachhaltig tätig geworden. Er habe seinerzeit keine Möglichkeit gesehen, für die aufzugebende Teilsammlung einen einzigen Abnehmer zu finden. Auch sei er sich über den Wert dieser Teilsammlung nicht im klaren gewesen. Der eingeschaltete Auktionator sei eine Person seines Vertrauens gewesen, der die übersandten unsortierten Partien erst gesichtet und bewertet habe. Er, der Kläger, habe auf den Gang der Versteigerung keinen Einfluß gehabt. Denn der Auktionator habe entschieden, wann und zu welchem Mindestgebot versteigert worden sei. Manchmal seien Marken erst nach einem Jahr oder noch später in die Auktion gebracht worden. Ein Teil der Marken habe überhaupt nicht veräußert werden können und sei ihm 1977 zurückgegeben worden.

Der Kläger beant…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Urteil , Umsatzsteuer , Bfh , Steuern , Urteile & Beschlüsse , Finanzamt , Briefmarken , Bundesfinanzhof , Umsatzsteuerpflichtig , Händler , Dr. Ole Damm , Dr. Damm & Partner , Dr. Damm Und Partner , Umsatzsteuerpflicht , Briefmarkensammlung , Nachhaltig Tätig , Nachhaltige Tätigkeit

Erschienen 17. Januar 2011 auf http://damm-legal.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Leistung Befrei Nach §4 USTG, Rechnungschreiben: Zur taktisch richtigen Zeit die Rechnung schreiben

InsoBlog.de | 21. Februar 2007 — Irgendein Kollege aus Berlin (ich bin mir ziemlich sicher, dass ich ihn bei einem Seminar getroffen habe) kämpft immer wieder g…

Grundst??cksverkauf aus Gesch??ftsaufgabe?

Rechtslupe | 10. Dezember 2008 — Ist Gegenstand der ??bertragung ein zu bebauendes Grundst??ck, das der Ver??u??erer unter der Bedingung der Fertigstellung des …

Ehrenamtliche Aufsichtsratstätigkeit in der Volksbank

Schlosser Aktuell | 30. September 2009 — Die Tätigkeit im Aufsichtsrat einer Volksbank e.G. ist keine ehrenamtliche Tätigkeit und deshalb nicht nach § 4 Nr. 26 des Um…

BFH: Aufsichtsratstätigkeit für eine Volksbank ist nicht als ehrenamtliche Tätigkeit von der Umsatzsteuer befreit

STEUERRECHT | 30. September 2009 — BFH-Urteil vom 20.08.2009 – V R 32/08 Pressemitteilung Nr. 90 des Bundesfinanzhofs (BFH): “Der Bundesfinanzhof (BFH) hat …

Umsatzsteuerliche Behandlung des Zwischenhandels mit Eintrittskarten

Umsatzsteuer | 29. März 2010 — Der Zwischenhandel mit Eintrittskarten ist keine Lieferung sondern eine sonstige Leistung, die gem. § 3a UStG am Ort des leis…

Der Aufbau einer “Oldtimersammlung” und das Steuerrecht

Rechtslupe | 13. April 2011 — Der Aufbau einer Sammlung von Oldtimern und Neufahrzeugen erfolgt nicht als Unternehmen, sondern im Rahmen einer privaten Sam…

Gewerbesteuerbefreiung: BFH: Erstreckung der Gewerbesteuerbefreiung für den Betrieb eines Wohn- und Pflegeheims auf das Besitzunternehmen

Steuerblog | 15. Juni 2006 — Die Befreiung der Betriebskapitalgesellschaft von der Gewerbesteuer nach § 3 Nr. 20 Buchst. c GewStG erstreckt sich bei einer …

Umsatzsteuerpflicht bei 1.200 “Privatverkäufen” auf eBay

Rechtslupe | 18. Januar 2011 — Nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 UStG unterliegen der Umsatzsteuer die Lieferungen und sonstigen Leistungen, die ein Unternehmer

Umsatzsteuer bei der Verm??gensverwaltung

Rechtslupe | 11. Dezember 2008 — Bereits vor einem Jahr hatte der Bundesfinanzhof in einem Urteil zur umsatzsteuerlichen Behandlung von Verm??gensverwaltungen…

BFH: Kein Vorsteuerabzug beim Aufbau einer “Oldtimersammlung”

STEUERRECHT | 13. April 2011 — BFH-Urteil vom 27.01.2011 - V R 21/09 Pressemitteilung des Bundesfinanzhofs (BFH) Nr. 31: “Mit dem heute veröffentlichen …