Lastschriftreiterei: Lastschrift-Reiterei vor dem Amtsgericht
schreibmaschine | 10. Juni 2007 — Wegen Betrugs in insgesamt 26 Fällen müssen sich am Donnerstag drei Geschäftsleute aus Marktheidenfeld (Main-Spessart-Kreis) vo…
Weil sie sich auf illegale Weise kurzfristige Darlehen verschafft haben, sind ein 65-jähriger Kaufmann aus Marktheidenfeld und seine beiden 42 Jahre alten Söhne am Donnerstag vom Würzburger Amtsgericht wegen Betrugs in insgesamt 22 Fällen verurteilt worden. Der Vater wurde wegen so genannter „Lastschrift-Reiterei“ in 14 Fällen zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Einer der Söhne erhielt ein Jahr Haft auf Bewährung, sein Zwillingsbruder eine Geldstrafe von 4.800 Euro (120 Tagessätze von 40 Euro).
Es ist ein Unterschied, ob man sich unschuldig fühlt oder wirklich unschuldig ist: „Ich wollte doch niemanden schädigen, ich wollte nur auf einen Schlag alles in Ordnung bringen“, sagte der 65-jährige Seniorchef von drei Familienbetrieben in einem Gespräch mit dieser Zeitung am Rande der Verhandlung. Dass er sich vor vier Jahren tatsächlich strafbar gemacht hat, kann er wahrscheinlich auch nach seiner rechtskräftigen Verurteilung durch das Schöffengericht nicht recht glauben. Vor vier Jahren war der heute 65-Jährige schwer an Krebs erkrankt, und die kleine Firmengruppe, die er und seine beiden Söhne führten, war in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten.
In dieser Situation war das Angebot der „AEW“-Kreditvermittlung offenbar zu verlockend. „Darlehen ohne bonitätsprüfung“ versprachen die Kredithaie mit Sitz in der Schweiz. Die Homepage der Kreditvermittler wirkte seriös, und auch von den horrenden Vermittlungsgebühren ließen sich die drei Angeklagten nicht abhalten: Rund zwanzig Prozent der jeweiligen Darlehenssumme mussten sie in bar an eine Frau in Frankfurt überweisen, sobald die Beträge auf ihren Konten eingetroffen waren.
Illegal ist die Art und Weise, wie die Gelder zu den Angeklagten kamen: Sie mussten die Darlehen per Lastschrift einziehen. Im Lastschriftverkehr kann der Kreditgeber den Einzug allerdings bei seiner Bank innerhalb von sechs Wochen widerrufen. Dann ist die Bank des Darlehensnehmers dazu verpflichtet, das abgebuchte Geld umgehend zurück zu überweisen. Wenn der Darlehensnehmer zahlungsunfähig oder sein Konto nicht gedeckt ist, bleibt die Bank auf dem Fehlbetrag sitzen.
So war es auch bei den drei Marktheidenfelder Geschäftsleuten: Die per Lastschrift eingezogenen Darlehensbeträge mussten von ihren Hausbanken rückgebucht werden, obwohl ihre Konten leer waren. So wurden die Castell-Bank Würzburg, die Raiffeisenbank Marktheidenfeld und die HypoVereinsbank Marktheidenfeld laut Anklage um insgesamt rund 274.000 Euro geschädigt. Den Sachverhalt räumten die drei Angeklagten ein. Alle drei wollen aber nicht gewusst haben, dass sie damit gegen das Strafgesetzbuch verstoßen haben. „Wenn ich den Hintergrund gekannt hätte, hätte ich so etwas nicht gemacht“, sagte der Sohn, der wegen sieben Fällen des Betrugs zu einem Jahr Gefä…
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