Sauerland: Ende gut, alles gut?!
Terrorismus in Deutschland | 4. März 2010 — Das Sauerlandverfahren ist zu Ende. Mit den Strafen Fritz Gelowicz 12 Jahre Haft Adem Yilmaz 11 Jahre HaftDaniel Schneider …
Mit dem Schlussvortrag für Atilla Selek endeten heute die Plädoyers im Sauerlandverfahren. Es war die Stunde von Manfred Gnjidic (Ulm) und Axel Nagler (Essen). Themen waren (wie zu erwarten war) die Rolle der Nachrichtendienste im Sauerlandverfahren, der Werdegang des Angeklagten und die Frage, wie geeignet die Zünder überhaupt waren. Thema war aber auch – und hier wurde es hoch juristisch – wie weit Atilla Selek tatsächlich belangt werden kann, bzw. welche Hürden sich möglicherweise durch das Europäische Auslieferungsübereinkommen ergeben.
Doch der Reihe nach: Manfred Gnjidic betonte, es stünde außer Frage, dass die Angeklagten durch ihre Taten dem Islam Schaden zugefügt und mit ihren Taten indirekt auch die Gesetzeslandschaft in Deutschland geprägt hätten. Gleichzeitig hätten sie auch den „größten untauglichen Versuch eines terroristischen Anschlags“ begangen – womit er wohl sagen wollte: „Und eben nicht mehr“.
Seinem Mandanten sei vor allem die „Nibelungentreue“ zu Fritz Gelowciz zum Verhängnis geworden, erklärte Gnjidic. Er beschrieb Atilla Selek als einen Mann auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Fleißig und erfolgreich sei er gewesen, aber das habe ihm nicht gereicht. Auf der Suche nach einem tiefern Sinn des Lebens sei er in den Dunstkreis des „Multi-Kultur-Hauses“ (MKH) in Neu-Ulm geraten und habe verschiedene islamische Strömungen kennen gelernt. Dazu gehöre auch der Kontakt zu Ranie M., der derzeit im Rahmen des Ermittlungsverfahrens „Transfer“ der Staatsanwaltschaft Stuttgart in Haft sitzt. Völlig harmlos sei die Begegnung gewesen, von Radikalisierung könne keine Rede sein, so Gnjidic.
Das MKH selbst würde zwar von manchen „in die Nähe eines terroristischen Ausbildungslagers gerückt“, dies könne aber keinesfalls pauschal gelten. Er selbst sei dort einmal zum Fastenbrechen eingeladen gewesen und habe nichts Negatives bemerken können. Richtig radikal sei es rund um Atilla Selek erst geworden, als er Fritz Gelowicz kennen gelernt habe, so Gnjidic.
Gelowicz sei er treu ergeben gewesen, weswegen er auch dann noch weiter bei der Planung geholfen habe, als er längst Angst gehabt und Bedenken bekommen hätte. Inzwischen habe sich sein Mandant jedoch gewandelt und wolle ein Leben in Frieden mit seiner Familie führen. Möglichst in Ulm, seine Frau wolle er aus der Türkei nachholen. Allerdings betreibe die Stadt Ulm gerade den Versuch, ihm die deutsche Staatsbürgerschaft (die er im April 2005 erhalten hat) wieder zu entziehen.
Hoch problematisch am ganzen Fall sei im übrigen die Verwicklung der Nachrichtendienste, so Gnjidic weiter. Nicht nur die Rolle des Türken Mevlüt K. werfe nach wie vor Fragen auf. Auch in der Person Dana B., die zum südhessischen Umfeld von Adem Yilmaz gehört, witterte der Strafverteidiger einen möglichen Spitzel. So seien Yilmaz, Selek und B. bei einer gemeinsamen Autofahrt in der Silvesternacht 2006 zur Hanauer Lamboy-…
» Vollständiger ArtikelErschienen 18. Februar 2010 auf http://www.swr.de/blog/terrorismus.
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