Besorgter Vater

Heute morgen, 9:35 Uhr. Der Vater eines Mandanten, gegen den demnächst in einer Betäubungsmittelangelegenheit im 10 kg-Bereich verhandelt wird, ruft mich über mein Handy an und fragt, ob es etwas Neues gebe. Vielleicht sein zehnter Anruf dieser Art innerhalb der letzten 3 Wochen. Geduldig teile ich mit, dass sich derzeit nichts Neues mehr tue und nun der Prozess abgewartet werden müsse. Gleiches habe ich anlässlich der letzten Telefonate auch mitgeteilt. Ob sein in der Sache geständiger Sohn mit Bewährung rechnen könne? Nein, das sei wohl kaum möglich, bei der Vielzahl der angeklagten Taten und bei der Menge der Betäubungsmittel. Die Mindeststrafe für die Einfuhr nicht geringer Mengen liege bereits bei einem Fall bei zwei Jahren, hier stünden aber mehr als ein halbes Dutzend Taten im Kilobereich in Rede. Das hätte ich ihm doch schon mehrfach erklärt. Und gravierende Strafmilderungsgründe, die zu einer erheblichen Strafrahmenverschiebung führen könnten, seien nicht ersichtlich. "Das haben Sie mir schon erklärt", sagt der Mann, "aber ich vertraue Ihnen. Sie werden schon eine Bewährung hinkriegen." Dasselbe wie beim letzten Mal. Und davor. Da machst Du gar nichts. Autor: RA Rainer Pohlen Kanzlei POHLEN + MEISTER

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Erschienen 13. Januar 2006 auf http://www.strafblog.de.

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