Besoffen = Vorsatz ? - die 2.
RA J. Melchior, Wismar | 7. September 2010 — Wie schon das OLG Celle im Beschluss 32 Ss 94/09 vom o6.o8.2009 hat laut ADAJUR-Newsletter jetzt auch das OLG Stuttgart (5 SS…
Entgegen der ständigen Rechtsprechung des BGH gilt bei vielen norddeutschen Staatsanwaltschaften und Amtsgerichten (teils wohl schon seit Jahrzehnten) eine einfache Faustformel: Bei Trunkenheitsfahrten wird ab einer BAK von 1,6 ‰ generell Vorsatz angenommen. Lesenswert hierzu die Ausführungen des OLG Celle im aktuellen Beschluss 32 Ss 94/09 vom o6.o8.2009:
Es gibt keinen Erfahrungssatz, wonach ab dem Erreichen eines bestimmten Blutalkoholwertes von einer Vorsatztat auszugehen ist. Genossene Trinkmengen werden häufig, insbesondere von gewohnten Trinkern, falsch eingeschätzt, zumal bei fortschreitender Trunkenheit die Kritikfähigkeit abnimmt. Bei der Abgrenzung zwischen Vorsatz und Fahrlässigkeit kommt es somit nicht allein auf die konkreten Blutalkoholwerte, sondern auf alle Umstände des Einzelfalls an (m.w.N.).
Ebenso rechtfertigte die Prüfung einer eventuellen Verminderung bzw. Aufhebung der Schuldfähigkeit die Annahme einer Gefährdung des Untersuchungserfolgs nicht. Zwar veranlassen Werte ab 3,0 g ‰ grundsätzlich zur Prüfung einer Aufhebung der Schuldfähigkeit. Es gibt aber keinen medizinischstatistischen Erfahrungssatz, wonach bei Erreichen einer BAK von 3,0 g ‰ stets von Schuldunfähigkeit auszugehen ist (vgl. hierzu Fischer, a.a.O., Rn. 19 zu § 316 StGB ). Die Wirkung einer erheblichen alkoholischen Beeinflussung auf die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit ist von individuellen Faktoren, insbesondere den Trinkgewohnheiten des Einzelnen, abhängig. Maßgeblich für die Beurteilung der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit ist deshalb die von den Blutalkoholwerten weitgehend unabhängige Verhaltensanalyse.
Aber das ist für „einfache" Staatsanwälte und Amtsrichter wohl zu kompliziert.
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RA J. Melchior, Wismar | 7. September 2010 — Wie schon das OLG Celle im Beschluss 32 Ss 94/09 vom o6.o8.2009 hat laut ADAJUR-Newsletter jetzt auch das OLG Stuttgart (5 SS…
RA J. Melchior, Wismar | 20. April 2008 — Gerade beim OLG Hamm (Beschluss 1 Ss 503/06 vom 30.11.2006) gefunden, schon etwas älter, aber nach wie vor aktuell: Nach ei…
Kreuzberger Verkehrsrecht | 5. April 2007 — Es kann nicht bereits aus einer hohen Blutalkoholkonzentration zur Tatzeit auf eine vorsätzliche Trunkenheit im Verkehr geschlo…
Heymanns Strafrecht Online Blog | 6. März 2012 — Blutalkoholfragen spielen in der Praxis im Hinblick auf die Voraussetzungen der §§ 20, 21 StGB eine große Rolle. Deshalb hier d…
Heymanns Strafrecht Online Blog | 4. Juni 2010 — An sich sollte es sich inzwischen auch bei den AG herumgesprochen haben: Es gibt keinen Erfahrungssatz, wonach derjenige, der e…
RA J. Melchior, Wismar | 17. April 2011 — ... für eine wirksame Einwilligung in die Entnahme der Blutprobe meint das AG Soest, nachzulesen bei den Verkehrsanwälten: …
Blog der Verkehrsunfallabwicklung | 4. August 2007 — Eine beachtenswerte und positiv spitzfindige Entscheidung hat das OLG Frankfurt/Main getroffen (NStZ-RR 2007, 249). Danach müssen …
STRAFSACHEN | 8. März 2012 — Sehr geehrtes Mitglied, Diese E-Mail wurde an Sie gesendet, weil wir einen Fehler in Ihrem erkannt haben Rechnungsinformationen …
strafrechtsblogger | 28. November 2009 — Nach einer Entscheidung des OLG Brandenburg vom 10. Juni 2009 – 2 Ss 17/09, MDR 2009, 1221 - kann aufgrund einer bestimmten B…
Heymanns Strafrecht Online Blog | 17. September 2009 — Da ist mal wieder ein OLG mit einem Beweisverwertungsverbot wegen des Verstoßes gegen den Richtervorbehalt aus § 81a Abs. 2 StP…