Berühmte letzte Worte…

… werden aus dem Sauerlandverfahren wohl kaum der Nachwelt überliefert werden. Kurz und bündig verlief heute der letzte Verhandlungstag vor dem Urteil, das am 04. März verkündet werden soll. Mit Spannung hatte ich besonders erwartet, was Fritz Gelowicz sagen würde, nachdem vor drei Tagen seine Frau wegen Unterstützung der “Islamischen Jihad Union” festgenommen wurde und nun in Untersuchungshaft sitzt. Doch seine letzten Worte waren kurz: “Ich wollte nur sagen, ich bin immer noch überrascht und geschockt von aktuellen Ereignissen“, sagte Gelowicz, der nicht so souverän wie an früheren Verhandlungstagen wirkte. Aber nach wie vor gelte, was er schon im Prozess gesagt habe: “Ich werde die IJU nicht mehr unterstützen, nicht in irgendeine Richtung“, betonte er. “Irgendeine Richtung” bedeutet ja auch: Keine finanzielle Unterstützung. Aber wie passt das zu der Tat, die seiner Frau vorgeworfen wird?

Hat ihn das Handeln seiner Frau wirklich unvorbereitet getroffen? Denkbar wäre es, denn viele Gelegenheiten zur Aussprache dürften die beiden Eheleute in den vergangenen Jahren nicht gehabt haben. Die Besuchszeiten in der Untersuchungshaft sind streng begrenzt, durchschnittlich alle 14 Tage dürfen Angehörige die Angeklagten sehen und bis auf Gesprächen mit den Verteidigern sind bei Besuchen zudem immer Beamte des Bundeskriminalamts dabei und protokollieren die Gespräche. Es ist also höchst unwahrscheinlich, dass seine Frau ihm offen gesagt hat: “Schatz, ich will den Brüdern Geld geben, wieviel soll ich denn überweisen?” und das BKA zum Handy griff und den Generalbundesanwalt informierte. Aber auch umgekehrt ist es merkwürdig: Ist es denkbar, dass seine Frau in den Monaten der Verhandlung nicht gemerkt hat, welche Wandlung ihr Mann gemacht - oder vorgespielt hat? Oder hat es sie nicht gekümmert?

Nimmt man jedenfalls Gelowicz beim Wort, dann war er “überrascht und geschockt“. Aber ich tue mich schwer, ihm zu glauben. Und bin gespannt, was die Anklage Frau Gelowicz ganz konkret vorwerfen wird und was über die Vorgeschichte der Tat bekannt ist.

Bei Adem Yilmaz ging es schneller: “Ich sage nichts!”, sagte er lapidar. Seine Verteidigerin Ricarada Lang war heute gar nicht erst erschienen.

Daniel Schneider hatte - wie schon Anfang Februar - eine schriftliche Erklärung vorbereitet, die er diesmal jedoch etwas langsamer und gefasster vorlas: Er habe nicht allzuviel zu sagen, aber nach langem Nachdenken wolle er sich doch nocheinmal äußern, begann Schneider. Er habe sich vom Gericht sehr ernst genommen und mit Respekt behandelt gefühlt, betonte er. Dafür wolle er sich ausdrücklich bedanken, denn dieses Verhalten des Gerichts “entsprach nicht meinen Vorstellungen” vorher. Indem, was seine Anwälte über seine Jugend und seinen Lebensweg gesagt hätten, “finde ich mich wieder“, vieles (über sich) sei ihm erst dadurch klar geworden, dass er es im Prozess gehört habe. Unangenehm s…

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Themen: Jihad , Daniel Schneider , Fritz Gelowicz , Yilmaz , Adem Yilmaz , Atilla Selek , Selek

Erschienen 23. Februar 2010 auf http://www.swr.de/blog/terrorismus.

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