Über 200 Menschen von brennender Ostsee-Fähre gerettet

Berlin/Kopenhagen (Reuters) - Mehr als 200 Menschen sind wegen eines Feuers auf einer Ostsee-Fähre in Seenot geraten und mussten in einer dramatischen Nachtaktion gerettet werden.

Das dänische Schiff verunglückte vor der Insel Fehmarn und brannte in einem mehr als 24-stündigen Feuer langsam aus. Fast dreißig Menschen wurden bei dem Unglück verletzt. 23 von ihnen seien ins Krankenhaus gebracht worden, sagte ein Polizeisprecher in Kiel. Die meisten wurden wegen Rauchvergiftung behandelt. Einige Menschen mussten aus dem Wasser gezogen und von Rettungsinseln geholt werden.

Die 200 Meter lange Auto- und Personenfähre "Lisco Gloria" war in der Nacht zu Samstag auf dem Weg von Kiel ins litauische Klaipeda, als es gegen Mitternacht zu einer Explosion auf dem Oberdeck kam. Die Polizei vermutete einen technischen Defekt an einem Lkw an Bord der unter litauischer Flagge fahrenden Fähre. Hinweise auf einen Anschlag gebe es nicht, sagte ein Sprecher des Havariekommandos Cuxhaven, das in Abstimmung mit den dänischen Behörden zunächst die Einsatzleitung hatte. Mehr als zehn Löschboote und Notschlepper waren im Einsatz.

Die Passagiere stammten unter anderem aus Deutschland, Russland, Dänemark und dem Baltikum. Unverletzte Besatzungsmitglieder und Passagiere wurden nach Angaben des Havariekommandos Cuxhaven noch am Samstag von einer anderen Fähre zurück nach Kiel gebracht.

Dänischen Angaben zufolge erlosch das Feuer am Sonntag von selbst. Es seien keine Flammen mehr zu sehen, teilte die dänische Küstenwache am Mittag mit. Vertreter der Reederei, der Versicherung und der Behörden berieten demnach am Nachmittag darüber, wie das Wrack in einen Hafen gebracht werden kann.

"ES BRENNT LICHTERLOH"

Das manövrierunfähige Schiff trieb nach der Explosion mit zunächst geringer Schlagseite in dänische Hoheitsgewässer. Dort konnten Spezialisten, die von einem Hubschrauber auf der "Lisco Gloria" abgesetzt wurden, später den Anker werfen. Das Schiff der dänischen Reederei DFDS werde vor allem gekühlt, um zu verhindern, dass es auseinander bricht und sinkt, teilte das Havariekommando am Samstag mit. "Es brennt lichterloh", sagte ein Sprecher. "Das Feuer frisst sich immer weiter in das Schiff hinein." Eine Gefahr für andere Schiffe oder die Umwelt bestehe nicht.

Alle Schiffe in der Nähe eilten demnach der Fähre zu Hilfe, die auf einer der Hauptrouten durch die Ostsee unterwegs war. "Glücklicherweise war die 'Deutschland' in der Nähe", sagte der Sprecher. Diese Fähre habe gemeinsam mit der "Neustrelitz" der Bundespolizei die Passagiere aufgenommen.

Die Besatzung der "Neustrelitz" erhielt den Angaben zufolge kurz nach Mitternacht den Notruf der "Lisco Gloria" und steuerte das Unglücksschiff sofort an. Ein Teil der Passagiere trieb in Rettungsbooten auf der Ostsee und wurde von der "Neustrelitz" aufgenommen und zur "Deutschland" gebracht. "Einige der Passagiere standen unter Schock", sagte die Kommandantin der "Neustrelitz".

Die "Lisco Gloria" hat 73 Kabinen und fuhr bislang dreimal in der Woche die Route Klaipeda - Kiel. Das Schiff wurde 2002 gebaut, teilte die Reederei auf ihrer Website mit.



Quelle: Reuters (10. Oktober 2010)

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Themen: Germany , Western Europe , Europe , Hafen , Sprecher , Vertreter , Explosion , Krankenhaus , Denmark , Ostsee , Natural Disasters , Lithuania , Marine Services , Cuxhaven , German Language - General

Erschienen 10. Oktober 2010 bei http://www.reuters.com.

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